Und das Licht scheint in der Finsternis

Stadtkirche in der Christbaumkugel. (Foto: Jürg Grünenfelder, Niederurnen)

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell.

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Je älter ich werde, umso mehr habe ich das Gefühl, es zu brauchen: Mehr Licht. Besonders in diesen dunklen Tagen und Wochen des Winters ist das Bedürfnis nach Licht und Sonne elementar. Mit ihm ist eine Sehnsucht verbunden, die über das rein Physikalische hinausreicht. Das sehnsüchtige Begehren des Lichtes scheint mir gleichbedeutend mit dem Wunsch nach Leben. Gelingendes, heiles Leben leuchtet auch hinter den Anliegen vieler Wunschzettel zu Weihnachten her-vor. Gerade jetzt sind unsere Herzen so gestimmt, es möge alles heil und gut werden.

Endlich einmal sollen all unsere Sorgen überwunden sein, die Familie möge einträchtig beieinander am Tisch sitzen und sich an dem strahlend leuchtenden Lichterbaum erfreuen. In dieser Nacht soll alles vergessen sein, was uns das Leben dunkel macht.

Sehnsucht
Wir warten auf Weihnachten, auf das Licht, das in die Welt kommt, das uns anrührt mit mehr als nur einer romantischen Stimmung. Wir warten auf das Licht, das von der Weihnacht her in unser Leben leuchtet, nicht nur jetzt in den beginnenden festlichen Tagen des Jahres, sondern Tag für Tag in unserem Leben.

Wir warten mit der ganzen Kraft unserer Sehnsucht, dass heil wird, was verletzt, verwundet, zerrissen ist. Wir warten mit der Sehnsucht, die in uns Menschen wohnt; die wie ein grosser Reichtum die Menschen trägt von Generation zu Generation; die uns freuen lässt über jedes Kind, das geboren wird und die jedes Kind begleitet mit der Hoffnung, dass alles gut wird. Warten auf das Licht, das uns das Leben erkennen lässt, das uns aufblühen lässt zu neuer Lebendigkeit.

Doch wie oft erleben wir die Finsternis stärker als das Licht. Wie viel Not und Elend fällt uns da ein. Jeden Morgen ist die Zeitung von Neuem voll mit den Nachrichten, hinter denen immer Menschen mit ihrer Not stehen, die einen Namen haben, die unverwechselbar und einzig sind.

Klein und schwach
Das Licht der Heiligen Nacht bringt die Wärme zurück in unser Leben. Wenn ich von diesem Licht beschienen werde, wird es mir warm ums Herz. Ich erkenne das Kleine und Schwache, das Kind in der Krippe auf Heu und auf Stroh; ausgesetzt der Unwirtlichkeit unserer Welt.

Doch die Finsternis weicht – in dieser Nacht, da Gottes Liebe menschlich wird, da die Strahlen uns erhellen und in uns die Sehnsucht weckt, die Hoffnung und die Zuversicht, dass in dem Licht dieser Nacht auch mein Menschsein zu strahlen beginnt, um denen zu leuchten, die im Dunkeln sitzen.

Verheissung
Euch ist heute ein Kind geboren, so wird es am Weihnachtsabend wieder und wieder Menschen zugerufen: Dir, gerade da, wo es um dich herum finster scheint. Das Kind will dich ins Licht ziehen. Deine Verletzung soll geheilt, deine Seele gesund werden.

Lass dich hineinziehen ins Licht, das nicht trügt. Das begonnen hat zu leuchten, damals im Stall von Bethlehem und nicht in den Palästen der Welt. Not und Entbehrung hat Jesus von Anbeginn geteilt. Er geht mit durch die Finsternis, damit wir in ihr nicht verloren gehen, damit wir uns nicht verschliessen, dem Licht, das schon in uns wohnt, dem Reichtum, der uns anvertraut ist.

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell. Ein Licht strahlt auf. Ich brauche es mehr und mehr.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit, dass es hell werde für Sie und Frieden werde auf Erden. l

Ihre Almut Neumann

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