Wichser Waffen AG in Glarus hat Totalausverkauf. Das Geschäft ist weit über den Kanton hinaus bekannt, spätestens seit den 1970er Jahren, als es der erste Selbstbedienungsladen für Waffen und Optik mit über 400 Waffen wurde. Jetzt wird das Geschäft geschlossen. Damit endet eine lange Tradition, bei der das Handwerk im Fokus stand.
Im grossen Ladengeschäft an der Rathausgasse in Glarus gibt es eine Vielzahl an Jagd- und Sportwaffen, wetterfesten Kleidern und optischen Geräten, Taschenmessern und anderen Dingen für Jäger und Schützen. Das ist aber nicht alles. Wichser Waffen AG hat seit jeher eine Werkstatt, wo die verschiedenen Waffen auf Vordermann gebracht oder spezielle Wünsche erfüllt werden. Zudem hat das Geschäft einen Schiesskeller und einen Jagdschiessstand. Hier können Gewehre eingeschossen werden, wenn zum Beispiel die Optik angepasst wurde.
Doch jetzt ist Schluss. Die Besitzerin Lisbeth Wichser ist 80 Jahre alt. Sie wird die Geschäftstätigkeit beenden und die Liegenschaft an der Rathausgasse verkaufen. «Ab Januar haben wir nur noch am Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet», sagt sie. Sie gewährt auf alle Lagerartikel Rabatte und hofft, so noch möglichst viel verkaufen zu können. Damit sie geordnet abschliessen kann.
Alles begann 1838
Was in absehbarer Zeit an der Rathausgasse enden wird, hat 1838 begonnen. Damals gründete J. J. Schläpfer eine Büchsenmacherei. 1884 wurde diese von Franz Böckle übernommen, einem hervorragenden Büchser und Stutzer-Weltmeister. «Im Jahre 1934 hat mein Schwiegervater das Geschäft übernommen und 32 Jahre später mein Mann Werner.» Ihn hat sie in Lenzburg kennengelernt. «Ich habe beim damaligen Waffenhersteller Hämmerli im Büro gearbeitet. Mit der Heirat von Werner Wichser «bin ich zu einem Büchsenmacher gekommen und nach Glarus gezogen», erzählt sie.
Das Geschäft befand sich damals an der Ecke Schützenhausstrasse und Obere Erlenstrasse. Später zog es an die Untere Erlenstrasse, und der Laden wurde grösser. 1993 hatten Wichsers rund 1500 Waffen am Lager, und drei Berufsbüchsenmacher kümmerten sich um die Anliegen der Kunden. «Wir haben auch Lehrlinge ausgebildet», erzählt Lisbeth Wichser. Einer davon ist Sepp Schwitter. Mit 15 Jahren hat er seine Lehre begonnen und ist bis heute dem Geschäft treu geblieben – 51 Jahre lang. Letztes Jahr wurde er pensioniert. Eine solche Treue ist äusserst selten. «Für einen Büchsenmacher gibt es nicht viele Möglichkeiten», sagt Schwitter. Im Jahre 2000 zügelte das Geschäft an die Rathausgasse, Ende 2012 starb Werner Wichser. Seither führt seine Frau Lisbeth das Geschäft.
Kennt sie niemanden, der das Geschäft und die Werkstatt weiterführen möchte? Sie verneint. Wie so manches andere auch, würden Waffen immer öfter im Internet gekauft. Das ist sicher nicht der alleinige Grund, weswegen mit Wichser Waffen ein weiteres traditionsreiches Geschäft in Glarus verschwindet. Eher ist es der Trend hin zu weniger Geschäften. Auch der zunehmende Online-Handel trägt zum Verschwinden von Fachgeschäften bei. Darum sind Wichser und Schwitter eine Ausnahme, eine an die man sich lange erinnern wird.
Fredy Bühler


