Der vollelektrische Raumgleiter

Im vollelektrischen VW ID.Buzz gleitet man nicht nur stilsicher über den Asphalt. Das sympathische Fahrzeug-Gesicht überträgt sich häufig auf die staunenden Passanten. Selten bekommt man als Fahrzeuglenker so viele nach oben gerichtete Daumen zu sehen. (Foto: wie)

Wer grosszügige Platzverhältnisse für Beruf und Freizeit schätzt, sich ohne fossilen Treibstoff fortbewegen will, aussergewöhnliches Design und stilsichere Eleganz mag, der findet im ID.Buzz von Volkswagen sein Wunschfahrzeug.

Schon auf den ersten Metern vor der Netstaler VW-Garage fällt von Daniel Sauter, der das Fahrzeug für diesen Testbericht bereitstellt, der Ausdruck «Jetzt segelt er». Kaum sitze ich selber am Lenkrad, verstehe ich, was er meint. Der Elektro-Bus gleitet über den Asphalt und nutzt auch geringe Höhenunterschiede oder die Automatik-Temporeduktion vor einer 50er-Ortstafel für feines Rekuperieren der Batterie. Steilere Talfahrten können über eine zweite Stufe verstärkt in Batteriestrom und Reichweite zurückverwandelt werden. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 420 km, welche mit umsichtigem Fahrstil erreichbar sind.

Auffälliges Design
Ein Grund, sich für den VW ID. Buzz zu interessieren, ist sein Aussehen. Volkswagen transferiert das nostalgisch-sympathische Aussehen des Bulli mit grossen Fenstern, zweifarbiger Lackierung und einem «Gesicht», welches Augen, Nase und Mund ähnelt, ins Heute. Das sorgt nicht nur bei VW-Bulli-Fans, sondern auch bei manchen Beobachtern beim Vorbeifahren für spontan erhobene Daumen.

Gross und trotzdem agil
Der ID.Buzz bewegt sich mit typischer Laufruhe. Die erhöhte Sitzposition mit ungewöhnlicher Rundsicht, ein enger Wendekreis und die Rückfahrkamera sowie die grossen Aussenspiegel ermöglichen eine kratzfreie Ausfahrt aus meiner knappen und nur rechtwinklig erreichbaren Ausfahrt. Die Fahrt durch die engen Gassen gelingt auf Anhieb, auch wenn sämtliche Distanz-Sensoren Alarm schlagen. Dafür lebt man in grosszügigen Raumverhältnissen, auch in der zweiten Reihe fläzen sich meine grossgewachsenen Arbeitskollegen locker in die lederähnlichen Sitze aus Rezyklaten.

Eigener Charakter
Manche Eigenschaften sind ungewöhnlich. So kann ich mich während des Testtages nicht gleich daran gewöhnen, dass sich das Auto nur bei angegurtetem Lenker bewegt, das gilt auch fürs Umparkieren in 10 m Distanz. Beim Aussteigen bleibt eine Ungewissheit, ob das geräuschlose Fahrzeug wirklich stillsteht, bis ich lerne, dass bei gelöstem Gurt und geöffneter Tür auch der ID.Buzz bockstill steht. Die Volkswagen-Erkennungsmelodie bestätigt beim Verlassen des Autos aber akustisch, dass der Wagen nicht mehr wegrollt. Ein spannendes Detail liefert das Navi. Es zeigt nicht nur die erreichbaren elektrischen Ladestationen an – sondern auch alle Benzin-Tankstellen.

Nahe dran am Selber-Fahren
Das auffällige Design mit hellen Farben und wertigen Materialien, ein zweistöckiger Kofferraum mit tiefer Ladekante, eine kabellose Handy-Ladebox und die sofort einsetzende Innenraum-Heizung sorgen für Wohlbefinden. Das luxuriöse Fahrgefühl beginnt schon vor dem Einsteigen. Die Schiebetür zu den Rücksitzen öffnet elegant beim Berühren des Türgriffes. Ein LED-Lichtkegel sorgt ausserdem beim Ein- und Aussteigen im Dunklen für sicheres Auftreten von Lenker/in und Beifahrer/-in.

Ein Erlebnis ist die akkurat auf den Spur-Assistenten reagierende Automatik-Steuerung mit Verkehrsschild-Erkennung. Der ID.Buzz ist damit nahe am Selber-Fahren. Die «Totmann-Schaltung» wird durch sanftes Berühren des Lenkrades aktiviert und bewegt den ID.Buzz diskret im Selbstfahr-Modus durch den Verkehr. Einzig vor dem Fussgängerstreifen beim Glarner Gemeindehaus bleibe ich skeptisch. Zu viele Menschen sind auf der Strasse, oder gerade dabei, diese zu betreten. Es könnte sein, dass der Fahr-Algorithmus hier überfordert wäre. Das will ich nicht riskieren und entscheide mich, in den Automatik-Fahrmodus einzugreifen, und steuere das Auto händisch um die enge Verkehrsinsel. Ob das der ID.Buzz gefahrlos selber schaffen würde, bleibt damit vorläufig unklar.

wie

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