Steigende Preise für Arbeitsstunden und Material rücken Selbermachen in ein neues Licht. Ob Zimmer streichen oder Velo flicken – wer Hand anlegt, kann Geld sparen. Und wem das Wissen dazu fehlt, der findet Unterstützung, online oder bei den Profis.
Lieferschwierigkeiten, Versorgungsengpässe, Mangellage und steigende Zinsen verdüstern die Aussichten wie schon lange nicht mehr. Viele machen sich Gedanken darüber, wie sie sparen können. Auf einen neuen Fernseher verzichten? Die alten Hosen flicken statt neue kaufen, das Zimmer selber streichen und das Schuhregal selber zimmern?
«Wir haben 2020 festgestellt, dass mehr Projekte rund um Haus und Garten realisiert wurden», sagt Reto Kaspar von Hornbach Baumarkt (Schweiz) AG. Das führt er unter anderem darauf zurück, «dass geplante Ausgaben für Ferien und Reisen stattdessen in die Erneuerung und Verschönerung der eigenen vier Wände investiert wurden.» Hält dieser Trend an? Da ist sich Reto Kaspar nicht sicher: «Ob die Nachfrage im Bau- und Gartenmarkt nachhaltig ist oder sich verändert, wird wohl das nächste Jahr zeigen.»
Sicher ist sich Kaspar, dass «Projekte rund um Wasser und Energie in Zukunft eine noch stärkere Nachfrage erfahren werden.» Hier geben die Diskussionen um Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch den Ton an. Kaspar: «Die Gewinnung und die Nutzung von Regenwasser, die Reduktion des Wasserverbrauchs, die Senkung des Stromverbrauchs, Pflanzen aus biologischem und nachhaltigem Anbau oder Optimierungslösungen wie Smart Home werden an Bedeutung gewinnen.»
Es gibt immer etwas zu tun
Für die Umsetzung solcher Projekte spielen die eigenen Fähigkeiten eine zentrale Rolle. Wer bohrt und sägt, braucht das entsprechende Werkzeug und sollte wissen, wie man es einsetzt. Das weiss Urs Baumgartner aus Mollis. Am Wochenende hat der FRIDOLIN ihn im Jumbo beim Kauf einer neuen Stichsäge getroffen. Baumgartner ist eidg. dipl. Elektroinstallateur, war Betriebsleiter des Elektrizitätswerks in Mollis und unterrichtete im Nebenamt als Berufsschullehrer an der Berufsschule Ziegelbrücke. Jetzt geniesst er seine Pension und nutzt die Zeit, um im Haus und im Garten zu arbeiten. «Es gibt immer etwas zu tun», sagt er, getreu dem Hornbach-Slogan.
Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, gibt ein gutes Gefühl. Wer sein Projekt erfolgreich beenden kann und dafür Anerkennung und Lob bekommt, wird motiviert. «Oft findet der Einstieg über einfache Projekte statt», sagt Reto Kaspar. «Etwa ein Regal oder ein einfaches Möbelstück, das ein individuelles Problem löst, das kein gekauftes Produkt lösen kann.» Mit zunehmender Erfahrung und Freude folgen anspruchsvollere Projekte.
Reparieren ist gefragt
Neues erschaffen ist das eine. Handwerkliches Geschick und Know-how sind auch gefragt, wenn Dinge repariert werden sollen. Das bestätigt Urs Baumgartner. Freunde und Bekannte nutzen sein Fachwissen, um zum Beispiel ein defektes Kabel an einer Lampe zu ersetzen. Selber reparieren ist oft schwierig. Hier helfen Tipps von Fachkräften. Der erste Schritt dazu geht ins Internet. Wer sucht, findet ohne grosse Anstrengung zu jedem Problem ein Erklärvideo. Da sieht man Schritt für Schritt, wie man das gewünschte Ziel erreicht. Videos nutzt auch Hornbach. Kaspar: «Wir unterstützen unsere Kundinnen und Kunden mit Tipps und Ratgebern, wie etwa unseren Meisterschmiede-Erklärvideos.»
Schweizerinnen und Schweizer sind bereit, mehr zu reparieren. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die Greenpeace im November 2021 veröffentlichte. Möbel und Wohnungseinrichtungen wollen 75 Prozent der Befragten reparieren können. Bei Haushaltgeräten wie Staubauger oder Kaffeemaschine sind es 70 Prozent.
Austausch gesucht?
Wem Werkzeug oder Know-how fehlen oder wer sich nicht getraut, selber Hand anzulegen, findet Hilfe im Repair Café im Werkhofgebäude an der Moosstrasse in Weesen. Dort reparieren Freiwillige Velos, Haushaltgeräte, Textilien, mechanische oder elektrische Apparate. «Grundsätzlich geht es darum, den Leuten zu zeigen, dass man vieles selber reparieren kann», sagt Vreni Zimmermann, die zum Team gehört. Zusätzlich zum Repair Café findet einmal im Monat ein Repair-Service statt. Kunden können defekte Geräte bringen, Reparaturfachleute versuchen, diese wieder zum Funktionieren zu bringen. Zimmermann betont: «Es soll keine Konkurrenz zu offiziellen Reparaturwerkstätten sein.» Die Unterstützung in Weesen hat einen Preis. Pro Reparatur wird für den Arbeitsaufwand eine Fallpauschale von zehn Franken in Rechnung gestellt. Der Materialaufwand und Ersatzteile müssen zusätzlich bezahlt werden.
Trotz Engagement von Freiwilligen und lehrreichen Videos: Profis sind unersetzbar. Oder wie es ein «Do-it-yourselfer» formuliert: «Ich streiche zwar selbst. Das kann ich auch. Aber die Farbe kaufe ich beim Maler. Er berät mich professionell und erklärt mir, wie ich es machen muss. Für Farbe und Beratung bezahle ich ihn.»
Fredy Bühler


