Wie nachhaltig lebt Kanada? Kanada-Blog 5/7: Umwelt

Gesunde Waldlandschaft im Nationalpark Banff. (Fotos: Michelle Furrer)

Kanada besticht vor allem mit Naturfotos. Doch ist es auch ein natur- und umweltfreundliches Land? Wie gehen die Kanadier mit dem Thema Umweltschutz um?  

Ölsand oder Nadelwald? 
Lieber Fabio 
Hier bei uns machen sich immer mehr Menschen Gedanken zur Klimakrise. An den beiden letzten Landsgemeinden wurden mehrere Vorlagen zu den Themen Energie und Naturschutz intensiv diskutiert. Hitze und Trockenheit könnten in unserem Kanton zum Problem werden für die Landwirtschaft. Spüren die Menschen in Kanada ähnliche Probleme und kommen diese Themen zur Sprache, wenn du dich mit Leuten unterhältst? 

Ein Thema, das es hier nicht gibt, aber in Kanada, ist die Gewinnung von Öl. In der Provinz Alberta wird seit einiger Zeit Ölsand abgebaut. Die Bilder davon kommen in der Tourismus-Werbung natürlich nicht vor, weil grosse Gebiete verwüstet werden, um den teer- und ölhaltigen Sand zu gewinnen. Dies geschieht im sogenannten Tagebau, das heisst, der Wald wird gerodet und der Erdboden bis zu 30 Metern tief ausgebaggert. Mit heissem Wasser und Chemikalien kann dann das Öl herausgefiltert werden. Auf diese Weise könnten noch riesige Ölmengen gefördert werden. Wie stehen die Kanadierinnen und Kanadier dazu? 

Fossil oder erneuerbar? 
Hier werden in den kommenden Jahren die Ölheizungen nach und nach verschwinden.  Welche Form der Energie wird in Kanada hauptsächlich gebraucht? Spielt die Wasserkraft auch eine so grosse Rolle wie in Glarus? Gibt es in Kanada E-Fahrzeuge? 
Søren Ehlers

Gemischte Gefühle  
Hey Søren 
Vorneweg: Ich bin in der Tat eher in den touristischen Gebieten unterwegs, wo weder Rodung noch Ölförderung sichtbar sind. Das Thema Umwelt ist aber auch hier «ännät em Teich» ein grosses Thema. Kanada gilt als sehr wohlhabendes Land, da es reich an natürlichen Ressourcen ist. Den Abbau von Ölsand bemerkt man vor allem in der Gegend rund um Edmonton. Ein Problem hast du bereits selber angesprochen: Weite Landschaften werden zerstört. Bei dieser Art der Ölgewinnung entstehen etwa fünfmal so viel CO2-Emissionen wie bei der direkten Ölförderung. Ebenfalls werden Seen und Flüsse mit Schwermetallen verschmutzt, was sich insbesondere auf die Gesundheit der indigenen Bevölkerung niederschlägt, die vom Fischfang lebt. Ein weiteres zentrales Thema ist die Forstwirtschaft. Kanada ist eines der waldreichsten Länder weltweit und der grösste Produzent von Papierstoffen. Trotz Bergkiefernkäfer, der ganze Waldabschnitte bedroht, seien die Baumbestände in den Nationalparks gesund. Die Kanadier gingen allerdings lange Zeit davon aus, dass ihre Holzbestände unendlich sind, und sahen keine Bedrohung durch Abholzung. Mittlerweile gelten Auflagen für die Waldrodung: Es gibt Beschränkungen der Rodungsflächen und eine vorgegebene Zeit, in welcher das gerodete Gebiet wieder aufgeforstet oder kompensiert werden muss. Sonst habe ich das Gefühl, dass die Klimapolitik Kanadas viel auf Kompensation setzt. «Littering», also liegengelassener Abfall, wird mit hohen Bussen bestraft – zur Reduzierung der Umweltverschmutzung und zum Schutze des Wildes. Allgemein erhält man in Geschäften und Restaurants wenig Plastikutensilien. Die Elektromobilität wird ebenfalls grossgeschrieben. Vielerorts sind die ÖV-Busse elektrisch. Pro Tag sehe ich 20 bis 30 Teslas oder sonstige Elektroautos, was mich anfangs bei den hiesigen grossen Distanzen doch sehr erstaunte. Ich befürworte viele dieser Bemühungen, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie «grün» Kanada tatsächlich ist. 
Fabio Lutz 

Nächste Woche erscheint Folge 6 des Kanada-Blogs. Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, eine Frage an den Kanada-Reisenden, senden Sie sie an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Wir bauen Ihre Frage gerne ein in das Gespräch.  

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