Kanada-Blog: Teil 4

Kanus auf dem Emerald Lake. (Fotos: Michelle Furrer)

Kanada ist ein riesiges Land, 15000mal so gross wie der Kanton Glarus, mit tausendmal so vielen Einwohnern.  Auch wenn Fabio Lutz den grössten Teil seiner Reise in der Natur verbringt, hatte er viele spannende Begegnungen mit Kanadierinnen und Kanadiern. 

Wie ist er so, der Kanadier?

Lieber Fabio 
Du hast auf Deiner Reise bisher viele faszinierende Tiere von Nahem gesehen. Weisskopfseeadler, Schwarzbären, Schneeziegen, Bisons und Elche. Das ist so cool und freut mich für Dich. Neben den vielen Tieren leben in Kanada 37 Mio. Menschen, ein Grossteil davon in Städten. Ein Fünftel der Bevölkerung sind Ausländer. Ähnlich ist das im Kanton Glarus, hier liegt der Ausländeranteil ebenfalls bei 20 Prozent. Worin sich Kanada und die Schweiz ebenfalls gleichen, ist das Mass des Wohlstandes. Wenn man Einkommen, Lebenserwartung und Bildungsstand vergleicht, liegen beide Länder weltweit vorne. Anders als hier ist es in Kanada mit den Ureinwohnern: Eine von 25 Personen gehört dort zu den Ureinwohnern, deren Geschichte bis zu 12000 Jahre zurückreicht. In Glarus gibt es schon lange keine Ureinwohner mehr, das wären die Kelten gewesen. Was auch sehr anders ist: Kanada ist eine Monarchie, das Staatsoberhaupt ist Queen Elisabeth II.

Es interessiert mich, was Du für Begegnungen hattest auf Deiner Reise mit verschiedenen Menschen. Wie geht es den Leuten, was beschäftigt sie, sind sie zufrieden? Was ist ähnlich wie bei uns, was ganz anders? Und: Stimmt mein Vorurteil, dass die Kanadier so viel Mayonnaise essen?

Søren Ehlers

Ein Ketchup-Land

Hey Søren
Gewisse Ähnlichkeiten zwischen Kanada und der Schweiz sind tatsächlich verblüffend. Teilweise erinnert die Landschaft hier stark an die Schweiz, einfach undenkbar grösser. Die Menschen hier frönen ähnlichen Hobbys, sie wandern und fahren Velo. Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den Kanadiern und uns Helvetiern. Meiner Meinung nach sind die Kanadier offener. In Läden oder Restaurants wird man immer nach seinem Wohlbefinden befragt und wenn man die Gegenfrage stellt, entstehen kurze Gespräche. Bisher hatte ich schon interessante Begegnungen mit Einheimischen. Da war auf dem zweiten Campingplatz Jeff, ein älterer Typ, der mit Zelt, Pick-Up, Motocross und Speedboot am Kamloops Lake campte. Da er allein unterwegs war, war er besonders redefreudig, erzählte von seiner Vergangenheit, gab Tipps für meine Reise und lud mich spontan zu einer Speedboot-Tour ein. Oder vor einigen Tagen, als ich im Yoho-Nationalpark einen platten Reifen hatte. Ich wusste nicht, wie ich beim modifizierten Van ans Reserverad gelangen konnte. Chris aus Calgary bemerkte meine Not, hielt an und half sofort. Er informierte mich im Anschluss, wie ich wieder zu einem neuen Reifen komme. Auffallend sind humoristische Sprüche, die in Kanada vor Läden zu finden sind. Damit wird versucht, Kundschaft anzulocken. Dieser «kanadische Humor» kommt in Gesprächen immer wieder zum Vorschein. Zu deiner Mayonnaise-Frage musste ich schmunzeln und versuche aufzulösen. Für mich ist Kanada eher eine Ketchup-Nation. In Lebensmittelläden findet man alle möglichen Saucen, Mayonnaise ist nicht prominent vertreten. In Fastfood-Restaurants kosten alle Saucen etwas – ausser Ketchup, das man gratis in rauen Mengen beziehen kann.
Fabio Lutz

Nächste Woche erscheint Folge 5 des Kanada-Blogs. Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, eine Frage an den Kanada-Reisenden, senden Sie sie an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir bauen Ihre Frage gerne ein in das Gespräch.  

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