Frauenporträt Alexandra Keller: Tansania veränderte alles

Alexandra Keller, Freiwillige in Tansania. (Foto/Video: Juliane Bilges)

Alexandra Keller war schon immer neugierig und reisebegeistert. Auch wenn sie die Schweiz als ihr Heimatland sehr schätzt, hegte sie stets grosses Interesse für neue Länder und fremde Kulturen. Sie wollte Orte entdecken, die komplett anders waren als die Schweiz.

Nach über zehn Jahren als Bankerin bei ihrem bisherigen Arbeitgeber packte Alexandra die Lust auf eine neue Herausforderung. Da sie ohne - hin vorhatte, ihren Arbeitsort zu wechseln, ergab sich die Gelegenheit, etwas Zeit zum Reisen einzuplanen. Sie beschloss, nach Afrika zu reisen, mit einem Abstecher nach Südamerika. Insgesamt war sie sechs Monate unterwegs, wovon sie fünf Wochen als Volontärin in einem Heim für Strassen- und Waisenkinder in Tansania verbrachte. Während ihres Auslandsaufenthaltes sammelte sie viele neue Erfahrungen, die Zeit im Volontariat hat sie dabei besonders geprägt.

Fehlende Unterstützung des Staates und Korruption
Das Kinderheim «Kilimanjaro Centre» für Strassen- und Waisenkinder befindet sich im Nordosten von Tansania, in Moshi. Korruption und fehlende Unterstützung des Staates sind dort leider an der Tagesordnung, was dazu führt, dass die Menschen zumeist auf sich allein gestellt sind. Infolge der grossen Armut, in welcher die meisten Familien dort leben, und der Nichtbeachtung psychischer Erkrankungen vieler Eltern, leben manche Kinder schon früh auf der Strasse. Erziehung ist in dieser Region kulturell bedingt auch keine reine Aufgabe der Eltern, sondern wird als geteilte Pflicht der Gesellschaft in der Umgebung betrachtet. So landen die Kinder oft nicht direkt auf der Strasse, sondern leben zunächst bei Verwandten oder Nachbarn, in sogenannten «Extended Families». Das Ziel bestünde natürlich darin, die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft möglichst in ihrem familiären und bekannten Umfeld zu belassen, denn so erfahren sie etwas wie Familienstruktur, was es ihnen später erleichtern wird, eine
eigene Familie zu gründen.

Ein Zuhause für Kinder
Um den Kindern bestmöglich zu helfen, werden sie daher auch ausserhalb des Heims finanziell unterstützt und wohnen nicht zwangsläufig dort. In den meisten Fällen leben sie aber effektiv im Heim. Das Ziel des Heims und der deutschen Hilfsstiftung «Schenk Kindern eine Zukunft», mit welcher zusammengearbeitet wird: den Kindern ein Zuhause zu geben. Hier bedeutet das konkret den Kauf eines Stücks Land und den Bau eines eigenen Heims, um der Mieter-Abhängigkeit dauerhaft entgehen zu können – es geht damit in Richtung Selbstversorgung und kann als «Hilfe zur Selbsthilfe» bezeichnet werden. Für die Kinder soll möglich werden, mit 18 Jahren in eine weitgehend unabhängige Zukunft zu starten.

Eine prägende und emotionale Reise
Doch wie haben die Reiseerfahrungen Alexandra Keller verändert? «Alles hat sich verändert!», sagt sie. Die Arbeit als Volontärin veränderte sie auch persönlich. Heute ist sie aktives Mitglied von «Schenk Kindern eine Zukunft», mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Als bisher einzige Schweizer Beteiligte will sie sich auch in Zukunft weiterhin sozial engagieren. Sie ist zur Stelle, wo jemand gebraucht wird.

Allrounderin
Da sie weder aus dem Gesundheitswesen noch aus dem Bildungssektor kommt, war sie im Kinderheim als Allrounderin im Einsatz, also Kochen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen, Swahili lernen und Deutsch unterrichten. Weiter durfte sie die Heimleitung oft bei «Home Visits» begleiten und Aufgaben im Zusammenhang mit dem Bau des Heims übernehmen. Was die junge Frau dabei besonders prägte: Das hierarchische Denken in Tansania war zunächst eine grosse Herausforderung, ermutigte aber auch dazu, die Art und Weise, wie man kommuniziert, zu hinterfragen und machte ihr ein gewisses Rangdenken in der Region deutlich. Man musste sich immer der sozialen Stufe seines Gegenübers bewusst sein. Ein weiterer Unterschied zu unserer Kultur: «Das Leben in einer tansanischen Familie, die Bedeutung der Familie überhaupt.» Den
Optimismus der Menschen dort empfand sie als ungemein beeindruckend. Ihr wurde klar, mit wie wenig man glücklich sein kann, und positives Denken wurde zum Begleiter während ihrer Reise. Sie erlebte, wie die unvorstellbarsten Dinge möglich gemacht wurden, aus Hoffnung und Zuversicht.

Aus Volontariat wurde ein Herzensprojekt
Der Aufenthalt in Tansania wurde für Alexandra Keller zu einer der glücklichsten Zeiten in ihrem Leben. Aus einem fünfwöchigen Volontariat entstand plötzlich ein Herzensprojekt, das noch ganz am Anfang steht. Wo genau dieses Projekt hinführt, ist noch unklar, aber Alexandra möchte mehr vom wunderbaren Land Tansania und
seiner Kultur kennenlernen, um so vor Ort zielführender unterstützen zu können. Ihr Freiwilligeneinsatz veränderte sie enorm, sie empfiehlt diese Erfahrung absolut allen Menschen weiter! Hier in der Schweiz versucht sie, die wunderbaren Eigenschaften der tansanischen Bevölkerung in ihr Leben zu integrieren: Positives Denken, Dankbarkeit und Gelassenheit.

Back To Top