Vernissage Glarner Sagen

Szenen einer Vernissage (von links): Erzählerin Beatrix Künzli, Fridolin Jakober und Steve Nann (Lektoren), Fridolin Osterhazy Hauser (Sagenautor/Sagenerzähler). (Foto: Jean-Pierre Hauser)

Am Freitag, 25. Februar, fand im Rahmen des verkaufsoffenen Freitags in der Kreativ Fabrik Ziegelbrücke bei Birnbrot, Käse und Weisswein, eine Vernissage der besonderen Art statt: die neue Ausgabe der Glarner Sagen von Kaspar Freuler und Fridolin Hauser wurde einem Publikum im besten Alter vorgestellt.

Die Glarner Sagen sind ein Teil des kulturellen Erbes unseres Kantons, ein Volksgut, das Schriftsteller Kaspar Freuler vor mehr als 70 Jahren in eine für ihn damals gültige Form gegossen hat. Er war Abstinent, Freidenker, Naturschützer und Wandervogel und so dürften ihn die Fotografien von Urs Bolz, mit denen der Baeschlin Verlag die eben erschienene Neuausgabe illustriert, sicher gefreut haben. Sprachlich haben seine Sagen ein bisschen Staub angesetzt, doch sie sind für uns heute Lebende ein Schatz, der ohne Freuler wohl weitgehend verloren wäre. Einige der Sagentexte – etwa «Ds Vrinelis Gärtli» oder «Maarchelauf» – sind in kunstvoller Balladenform aufgeschrieben und mindestens zwei der Texte, nämlich «Ursis und Landlef» sowie «Felix und Regula», sind keine Sagen, sondern Heiligenlegenden. Trotzdem gehören sie zum Schatz der Geschichten, die man sich im Glarnerland von Generation zu Generation weitererzählt.

Neuer Autor
Neu steht – anstelle von Hans Thürer – ein weiterer Autorenname auf dem Titel, jener von Fridolin Hauser. Obwohl er selber Sagen als etwas versteht, das man sich am Blattentisch erzählt, also das nicht aufgeschrieben, sondern mündlich tradiert wird, hat Osterhazy vor allem Näfelser Sagen zur neuen Sammlung beigesteuert – und diese in Glarnertüütsch. Fridolin Hauser kannte Kapar Freuler noch persönlich, und auch Steve Nann, der das Glarnerdeutsch des Bandes endlich auf eine einheitliche Schreibung hin korrigierte, war in seiner Schulzeit oft bei Freuler in der Villa Flora an der Burgstrasse 4.  

Alle dürfen mitmachen
Anlässlich der Vernissage durften nicht nur Osterhazy, Nann und Chüpferi einige Sagen vortragen respektive vorlesen, nein, zum Schluss fügten sich auch Stimmen aus dem Publikum mit ein in den Chor. Erst trat Erzählerin Beatrix Künzli mit ihrer dramatisch erzählten Version der Sage vom Rufelihund auf und zum Schluss gab Fotograf Jean-Pierre Hauser den Maarchelauf zum Besten, so wie er die Ballade einst in der Schule auswendig gelernt hatte. Wie es der Glarner Sage weiter ergehen wird? Die bildende Kunst und Schriftsteller – wie etwa Tim Krohn – haben sie als reichen Schatz gehoben und heute sorgen auch Sagenkalender, Sagenschnäpse und Sagenbiere dafür, dass der Geisser vom Oberblegisee, der Martin vom Martinsloch und der sagenumwobene Rufelihund auf ewige Zeiten nicht vergessen werden.

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