Der «Heimweh»-Glarner

Bereit für DAS Zelt: Die Männer von «Heimweh». (Foto/Video: zvg)

Er ist seit der Gründung vor sechs Jahren der Bass, auf dem die Stimmen von Heimweh aufbauen: Radio-Zürisee-Moderator Markus Stadelmann. Am nächsten Sonntag, 6. März, hat er zusammen mit dem Projekt-Männerchor im Zelt in Lachen sein «Heimspiel», Grund genug für den FRIDOLIN bei «Stadi» nachzufragen. Der FRIDOLIN verlost unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 2x zwei Tickets für den Lachen-Auftritt der «Heimweh-Jubiläums-Tour».

Heimweh haben den Prix Walo, drei Swiss Music Awards – also gleich viele wie Gotthard – erhalten, haben x-fach Gold-, Platin-, Doppelplatin und sogar einen Diamond-Award gewonnen, sie sind in St. Gallen im Fussball-Stadion vor 20000 Menschen aufgetreten und fast alle «Heimweh»-Alben waren Nummer 1 in den CH-Album-Charts. Doch warum eigentlich Heimweh? «Heimweh», so Markus Stadelmann, «ist eine Schweizer Wortschöpfung. Früher sagte man auch ‹die Schweizerkrankheit›. Das Gefühl wird erstmal im 17. Jahrhundert beschrieben oder auch in der Geschichte von Heidi thematisiert und bedeutet, sich nach der Heimat, den eigenen Wurzeln und nahestehenden Menschen zu sehnen. Etwas, was man früher vor allem bei Schweizerinnen und Schweizern fern der Heimat beobachtet hat. Ein Gefühls-Cocktail, der alle Seiten von glücklich bis traurig abdeckt – genau so, wie unsere Lieder.» Schon 2014, mehr als ein Jahr vor den ersten Auftritten, hatte Producer und Songwriter Georg Schlunegger von HitMill dieses «Männerchorprojekt» aufgegleist, dann wurde der damals noch völlig unbekannte Chor über Nacht berühmt, mit seinem ersten TV-Auftritt im SRF-«DonschtigJass».  

Er hat die Stimme dazu
Stadelmann selber singt seit Kanti-Zeiten im Chor. Doch wie kam er zum Männerchor? «Wegen der Stimme. Ich hatte schon früh meinen Stimmbruch und kam so zu Kantizeiten mit Kurt Müller Klusman zu einem Deal. Er erteilte mir Gesangsunterricht, dafür sang ich als junger Bass im Glarner Kammerchor mit, den er dirigierte. Später belegte ich in Zürich an der Pädagogischen Hochschule Gesang und sang unter anderem als Backing Vocal bei Art on Ice. Das sind die, welche neben der Bühne all die Ahs und Uhs singen.» So konnte er früh Kontakte knüpfen und wurde für Studioproduktionen angefragt. «Aber ich war nur selten live auf Tour.» Dann wurde Stadelmann explizit als Bass für «Heimweh» angefragt. «Weil wir alle einen Mutz (die Berner Jodlerjacke, Red.) tragen, wurden wir zuerst als Jodelchor bezeichnet, doch da mussten wir früh Gegensteuer geben. Zwar singen ausgebildete Jodler bei uns mit – das sind Bernhard Betschart und Frowin Neff –, aber wir andern singen klassisch, kommen aus dem Gospel, aus der Klassik, vom Blues-Rock, darum macht die Bezeichnung Männerchor als ‹Sammelbegriff› am meisten Sinn.»

Die einmalige Location
Gesungen wird in grossen Sälen wie dem Theater 11 Zürich, dem Musicaltheater Basel, dem Kongresshaus in Biel und vor allem im Zelt, auch in Lachen. «Im Zelt in Lachen hatte Heimweh das allererste Live-Konzert. Damals hatten wir noch kein einziges Konzert gespielt, aber schon ein gutes Dutzend Fernsehauftritte hinter uns und wurden schon mit zwei Swiss Music Awards ausgezeichnet. Jetzt starten wir – nach der Konzertpause – wieder dort. Ein toller Ort, weil man mit ‹Das Zelt› auch ausserhalb der Zentren mit ihren grossen Venues vor mehr als 1000 Menschen auftreten kann. Wir singen verstärkt und haben auch eine tolle Band mit an Bord, dort ist etwa Remo Kessler mit dabei, der Akustikgitarrist, der jahrelang mit Polo Hofer oder auch Gianna Nannini auf Tour war.» Doch «Heimweh» ist auch so etwas wie ein KMU mit einem grossen Team rundherum und einer Bühnencrew. «Die Geschichten, die zu neuen Liedern werden, entstehen mitunter am Znacht-Tisch vor der Show. Georg speichert unsere Erlebnisse im Kopf ab und schneidert uns daraus die Lieder auf den Leib.»

Anstrengend, aber schön
Markus Stadelmann gehört zum Kernteam der zwölf Sänger, die praktisch alle Live-Shows absolvieren. «Ich selber habe aber keinen Lead, da ich als Bass der Musik den Boden gebe. Von daher habe ich trotzdem quasi permanent ein Solo, weil ich der einzige auf meiner Stimme bin», lacht er. In den kommenden Monaten sind zwei Dutzend geplant – in der ganzen Schweiz. Auf Tournee sein ist anstrengend. «So ein Showtag beginnt am frühen Nachmittag mit der Besprechung im Team, dann proben wir nochmals, absolvieren den Soundcheck, dann wird gegessen, dann folgt der Auftritt und schliesslich noch die Autogrammstunde, ich habe also 10 bis 11 Stunden Präsenzzeit. Das sind lange und strenge Tage. Und wenn wir zwei Shows am gleichen Tag haben, dann beginnt der Tag natürlich noch etwas früher. Die Tournee fordert mich zwar, aber es ist nach der Pandemie auch schön, endlich wieder aufzutreten, live und auf der Bühne zu sehen, was unsere Musik dem Publikum bedeutet. Wir geben seit je her nach jedem Konzert eine Autogramm- und Fotostunde, die gut und gerne auch mal länger als 60 Minuten dauern kann. Die Leute erzählen uns da, welche Geschichten sie mit unseren Liedern verbinden und was sie dabei empfinden. Dieser persönliche Kontakt ist natürlich schön, aber auch wichtig, weil wir unseren Fans auf Augenhöhe begegnen und uns mit ihnen unterhalten wollen. Diese ‹Nahbarkeit› von Künstlerinnen und Künstlern kommt sonst heute leider nur noch selten vor, was ich persönlich sehr schade finde, denn das Publikum schätzt das sehr – und wir natürlich auch.»

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