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Es gibt Bekanntes und Unbekanntes und dazwischen Türen. (Foto: zvg)

Diesmal sind es Türen und Tore – fotografiert in Scuol von Fridolin Rast, der fünf Jahre jünger ist als Richard Knecht, dessen Gedanken sich entfalten, wenn man die Türen in den dicken Steinmauern auftut. Jede Seite ein neuer Gedanke – zusammen ein Buch «Meine Heimat ist das Leben».

Um sie zu besprechen, nehme man einfach ein paar Gedankensplitter: «Wir sind zu Konkurrenten geworden. Auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, auf dem Liebesmarkt.» Und man schaue die Bilder an: Diese oberen Tore, durch die früher der Heuwagen fuhr, das Kopfsteinpflaster inzwischen von jedem Halm befreit. «Erwachsene sind wie Flüsse, die ruhig fliessen, um plötzlich über die Ufer zu treten, um alles zu überschwemmen.» In diesem Fall wäre es wohl der En, dessen Rauschen man vor der Kirche vernimmt. «Das Leben in den Dörfern wird vom Schweigen geprägt. Jeder kennt jeden. Geredet wird hinter geschlossenen Türen. Und trotzdem findet so mancher in diesem Auseinanderschweigen seine Heimat.» In der mit Arve ausgekleideten Stüva trocknen stumm die Kleider des Bauern, in der Chadafö dampft die Gerstensuppe. Die Worte dazwischen sind in die Luft geschriebene Geschichten. «Weil wir nur beim Erzählen ehrlich sind.» Die Rolle des Denkers oder Dichters Knecht im Engadinerhaus: «All die Menschen, die mir begegnet sind. Die mich bewohnt und wieder verlassen haben.» Wenn er so – in Splittern – schreibt, wird die Architektur zur Aufgabe der Leserin, des Lesers. Knecht macht sie zu Muschelsuchern an einem Strand, zu Liebhabenden auf einem Tenn, zu solchen, die aus sich heraustreten, um sich selber zu begegnen. Das macht es spannend, in seinem Buch die Gedanken schweifen zu lassen und – wenn sie sich erwärmen – wieder zu ihnen heimzukehren. «Wir tragen dieselben Kleider, essen und trinken dasselbe, schreiben dieselben Gedichte und lieben dieselbe Frau. Mein Tod und ich.» Lesen – das bedeutet auch, sich selber etwas zu bauen. Dafür haben Knecht und Rast eine gemeinsame Vorlage geliefert in «Meine Heimat ist das Leben», erschienen im linthverlag 2021. Es macht sich gut auf jedem Gestell – ob aus Arve oder mitteldichter Faserplatte.

FJ

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