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Das Garn reist weiter, Coworking/Coliving kommt.

Mit dem Transport der letzten Tonne Baumwollgarn aus der ehemaligen ­Spinnerei Linthal endete dort am Freitag, 14. August, das Kapitel Textilindustrie. Mit «CoCo» Coworking/Coliving wird im Linthpark Glarus Süd aber bereits ein neues Kapitel geschrieben.

Um 12.00 Uhr verliessen die letzten in Linthal gesponnenen Baumwollgarne auf einem Zweispänner der Fuhr­halterei Bowald den LINTHPARK GLARUS SÜD. Damit endete die rund 180-jährige Textilindustrie im südlichsten Teil des Kantons Glarus. Der Anblick und der Anlass könne einen schon wehmütig machen, erklärte Frau Landesstatthalter Marianne Lienhard an der Veranstaltung «Im Wandel der Zeit» am letzten Freitag in Linthal. «Das heute ist auch ein Zeichen für den Strukturwandel, welcher auch im Kanton Glarus in der Industrie vollzogen werden muss.» Diesen Wandel solle man auch als Chance nutzen, wofür der LINTHPARK GLARUS SÜD als gutes Beispiel und vor allem als Vorbild stehen soll. Gemeindepräsident Mathias Vögeli blickte in die Vergangenheit, als die industrielle Revolution in fast allen Dörfern im Kanton Arbeitsplätze schuf und so den allgemeinen Lebensstandard der Bewohner hob. «Das ‹blaue Gold› hat diesen Aufschwung im Kanton Glarus ermöglicht, aber auch der Pioniergeist der Glarner wie zum Beispiel Heinrich Kunz.» Diese Punkte nahm Ständerat Thomas Hefti auf. Wie im 19. Jahrhundert die Wasserkraft der Motor für den Industrieboom im Glarnerland war, sei sie auch heute der Ursprung für die Umnutzung der Industrie­gebäude, «wie man es nicht besser als am LINTHPARK GLARUS SÜD sehen kann». Der zweite und sicher nicht weniger wichtige Motor sind aber Menschen wie Hans-Peter Keller der mit mutigen Schritten diese Entwicklung voranträgt und bereits die kommende Generation an Bord holt. Obwohl in Linthal mit der Abfahrt des Zweispänners das Kapitel Textil­industrie zu Ende geht, ist diese Geschichte im Kanton noch lange nicht fertiggeschrieben. Als Leuchtfeuer erstrahlen weiter die Daniel Jenny & Co. in Haslen und die Weseta Textil AG in Engi. Zu diesen Betrieben war das Gespann unterwegs, um beiden jeweils eine Palette des Garns zu übergeben und ihnen viel Erfolg zu wünschen. Im LINTHPARK GLARUS SÜD könnte nach der industriellen Revolution bereits der neueste Aufschwung in den Startlöchern stehen. Wo früher das Baumwoll-Lager war, steht heute das Fundament von «CoCo» Coworking/Coliving. Der Geschäftsführer sah hier ebenfalls Alexander Keller-Kunz als Vorreiter im Geiste. «Auch er brachte arbeitende Leute in die neue Spinnerei Linthal und schuf zudem Wohnraum für das gemeinsame Leben.» Auch im neuen Gebäude, welches Mitte 2022 eröffnet werden soll, sollen sich die Menschen zum Arbeiten treffen und gegebenenfalls auch übernachten können. «Auch hier sind wir wie vor 180 Jahren Pioniere und realisieren ein in dieser Ausrichtung schweizweit einzigartiges Projekt.» Die wichtigs­ten Faktoren seien die erneuerbare Energie aus eigener Produktion durch Wasser und Sonne, der direkte Bahn­anschluss von und nach Zürich sowie der schnelle Netzanschluss durch Glasfaserkabel. «Und natürlich das einmalige Bergpanorama. Wer davon nicht inspiriert wird, dem können auch wir nicht helfen.»

Jürg Huber

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