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Barbara Vögeli: «Unser neues Angebot «Pro Senectute gut betreut» richtet sich an Seniorinnen und Senioren im Pensionsalter im Kanton Glarus.» (Foto: Fredy Bühler)

Altern hat seine Tücken. Man wird langsamer und manchmal auch ungeschickter, und viele Dinge gehen nicht mehr ganz so flott von der Hand. Das ist oft auch der Grund, weswegen ein Umzug ins Heim in den Fokus rückt. «Das muss nicht sein», sagt Barbara Vögeli. Sie ist stellvertretende Geschäftsleiterin der Pro Senectute Glarus und lanciert ein neues, zusätzliches Angebot.

«Seit vielen Jahren bieten wir einen Reinigungsdienst. Unsere Mitarbeitenden gehen zu den Menschen nach Hause und helfen beim Putzen.» Dabei habe es immer wieder auch Anfragen für weitere Handreichungen gegeben. Unterstützung beim Aufräumen oder Einkaufen, beim Planen von Wochenterminen, beim Ausfüllen eines Formulars oder temporäre Hilfe zur Entlastung einer betreuenden Bezugsperson. Und manchmal wollte eine Seniorin für eine Stunde oder zwei etwas Gesellschaft. «Solche Betreuungsangebote gab es im Kanton Glarus nur vereinzelt.» Dieses Defizit hat Vögeli bewogen, eine neue Dienstleistung zu entwickeln: Pro Senectute gut betreut.

Das Angebot definiert Vögeli so: «Wir betreuen und begleiten ältere Menschen in ihrer selbstbestimmten Haushaltführung zu Hause.» Das Ziel: Ältere Menschen sollen so lange wie möglich zu Hause leben, selbstständig und selbstbestimmt. Ab Januar 2022 kann das Angebot genutzt werden, «Interessierte können sich bereits jetzt bei uns melden.»

Eine sinnvolle und wichtige Ergänzung
Konkurrenziert das neue Angebot die Spitex? Vögeli winkt entschieden ab: «Wir sind eine sinnvolle und wichtige Ergänzung.» Die Aufgabenteilung ist klar: Behandlungs- und grundpflegerische Tätigkeiten sind weiterhin Aufgabe der Spitex-Organisationen. Das Angebot «Pro Senectute gut betreut» bietet Hilfe zur Selbsthilfe und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung für Menschen mit altersbedingten Beschwerden oder chronischen Leiden. Damit legt Pro Senectute Glarus ein weiteres Puzzleteil in die Angebote der verschiedenen Dienstleistungsanbieter für eine sinnvolle Altersbetreuung zu Hause. Denn, so Vögeli weiter: «Der Betreuungsbedarf wird weiter stark zunehmen, und das kann keine Organisation allein bewältigen.»

Dass ihr neues Angebot richtig ist, bestätigt auch die aktuelle Erhebung des Bundesamtes für Statistik. Schweizweit gingen die Eintritte in Alters- und Pflegeheime in einem Jahr um vier Prozent zurück. Im Gegenzug nahm die Nachfrage nach Betreuung zu Hause um fast sieben Prozent zu. Zu dieser Verschiebung mag Corona beigetragen haben, letztlich aber ist es ein klarer Trend: Seniorinnen und Senioren wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Die ambulante Pflege und Betreuung «massiv zu stärken» ist auch das Ziel des neuen Pflege- und Betreuungsgesetzes, dem die Landsgemeinde im September zugestimmt hat. Das sei nicht nur bedürfnisgerechter, sondern bei Personen mit geringem Pflegebedarf auch günstiger als die stationäre Versorgung in einem Heim, wie die Regierung im Memorial schreibt.

Nicht kostenlos
Individuelle und persönliche Hilfe in den eigenen vier Wänden ist nicht kostenlos zu bekommen. Die Finanzierung muss aus dem eigenen Portemonnaie bezahlt werden. «Wir sind jedoch mit den Sozialversicherungen Glarus und den Krankenkassen in Verhandlung, dass diese einen Teil der Kosten übernehmen werden, da diese Form der Betreuung weit günstiger als ein Heimaufenthalt ist.» Aus diesem Grund ist vorstellbar, dass sich auch der Kanton an der Finanzierung beteiligen wird, weil auch er so Kosten optimieren kann.

Ist das Angebot der Pro Senectute Glarus standardisiert? «Die Arbeiten und Dienstleistungen, die wir erbringen sollen, definieren wir zusammen mit dem Kunden, und halten sie schriftlich fest.» Dank dieser Auftragsvereinbarung kann jederzeit kontrolliert werden, ob die Leistungen erbracht wurden. «Zudem stehen wir mit unseren Kundinnen und Kunden regelmässig im Dialog.» Dieses Feedback ist wichtig, denn die Betreuung in den eigenen vier Wänden funktioniert nur bei gegenseitigem Vertrauen. Die Erfahrungen, die Barbara Vögeli in den vergangenen Jahren mit dem Reinigungsdienst gesammelt hat, helfen ihr bei der Umsetzung der neuen Dienstleistung: «Ich kläre jedes Mal sorgfältig ab, wen ich aus dem Team in welchen Haushalt schicke.» Die Chemie muss stimmen, denn die Betreuung soll ja stabil sein und lange anhalten. «Pro Senectute gut betreut» wird vorerst im Rahmen eines dreijährigen Projekts angeboten und getestet.

Fredy Bühler

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