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Silvio Weber und das Bobteam Vogt fahren in den kommenden Wochen um die Olympiateilnahme. (Foto: zvg)

Der Kanton Glarus hat schon einige Sportgrössen hervorgebracht. Auch im Bobsport zieren illustre Namen wie Ekkehard Fasser oder Rolf Strittmatter die Annalen der Glarner Sporthistorie. Ein neuer Bob-Athlet steht in den Startlöchern. Anschieber Silvio Weber möchte im Frühling 2022 mit seinem Team nach Peking.

Zum Glück ist das Händeschütteln während Corona weniger in Mode. Der kräftige Bobanschieber hat bestimmt einen kräftigen Händedruck. Was er auch hat: Zeit für ein Interview. Das ist nicht selbstverständlich. Denn der Molliser befindet sich mitten in den Vorbereitungen für den Weltcup. So reist er oft und ist weniger zu Hause im Glarnerland. Vor kurzem kam er von Oberhof zurück, seit letzter Woche hilft er einem anderen Team bei den nationalen Selektionen in Winterberg aus. Alles mit dem einen Ziel: «Wir möchten uns für Olympia qualifizieren. Es wäre schön, wenn wir dies vor Weihnachten erreichen.»

Der Weg ins Bobteam
Als Anschieber ist Weber bei einem Piloten angestellt. Er schiebt den Viererbob von Pilot Michael Vogt in den Eiskanal. «Gute Anschieber sind begehrt. So hast du es einfacher, ein Team zu finden. Allerdings möchtest du natürlich im Team des besten Piloten sein.» Das Bobteam Vogt fährt seit der Junioren-WM in St. Moritz vor fünf Jahren zusammen. «Die Konstellation hat sich damals so ergeben, wir sind eine Saison gefahren und das hat gut gepasst.» Schliesslich selektioniert der Verband Swiss Slidung die Teams für Grossanlässe. Der Pilot hat allerdings ein Mitspracherecht.

Liefern, um berücksichtigt zu werden
Der Weg ist aber alles andere als leicht. «Ich muss meine Leistungen abrufen können. Sonst geht ein Anderer.» Mit den bisherigen persönlichen Resultaten ist Weber zufrieden. Für eine Qualifikation des Bobteams braucht es zwei Platzierungen in den ersten acht im Weltcup. «Das ist die Vorgabe von Swiss Olympic. Die Spitze ist extrem nahe beieinander, die Vorgabe ist nicht zu unterschätzen.» Dennoch ist Weber zuversichtlich, dass er bei Olympia teilnehmen kann. «Es wäre perfekt, wenn es bereits im Dezember reichen würde.» Plan B im Januar wäre dann die Selektion über die letzten Weltcuprennen.

Blick Richtung Peking
Im April 2021 starteten die Bobfahrer in die Vorbereitung für Olympia. Die Trainings fanden in Filzbach, Andermatt oder Magglingen statt. «Den Sommer durch haben wir im Athletikbereich gearbeitet. Da legt man den Grundstein und macht sich fit für den Weltcup. Wenn man nicht fit ist, nützt das beste Material nichts.» Der Weltcup beginnt am 21. November in Innsbruck. Die übrigen Teammitglieder sind zurzeit für Testfahrten in Peking. Weber war lange verletzt als die Visen beantragt wurden und ging nicht mit. «Diese Testfahrten haben nichts mit der Selektion zu tun. Es geht darum, dass der Pilot die Bahn kennenlernen kann.» Die Anschieber werden im Dezember beim Einzelanschub in Oberhof ermittelt. Ab da fährt man nur noch mit dem Olympiateam, damit man sich einspielen und eine möglichst gute Startnummer einfahren kann.

Profi mit interessanter Weiterbildung
Früher arbeitete Weber in einem 40- bis 60-Prozent-Pensum. Seit diesem Jahr ist er Profi. «Das hilft, um sich voll dem Bobsport zu widmen.» Neben dem Bobfahren macht er eine Weiterbildung in Aquakultur. «Diese besteht aus einem Praktikum und einem Kurs. Das macht mir viel Freude.» Das Pensum für die Weiterbildung betrage 20 Prozent. «Man muss sich Gedanken machen, als was man nach der Karriere arbeiten will. Nächsten Sommer plane ich ein Praktikum in der Lachszucht Lostallo.»

Schreckmomente
Erlebt Weber bei den Profis auch Schreckmomente in der Bahn? «Einmal sind zwei von uns nicht in den Bob reingekommen. Die anderen beiden fuhren dann alleine den Eiskanal hinunter.» Was witzig klingt, ist nicht ungefährlich. Die Gefahr eines Sturzes aufgrund des nicht ausbalancierten Gewichtes ist gross. «Da fehlen dir hinten 200 Kilogramm und das Heck schert aus. Zudem fehlte der Bremser. Die beiden haben das aber super gelöst und den Bob heil runtergebracht.» Eines ist klar: Mit Blick auf Peking sollten Silvio Weber und seine Kumpane auf solche Missgeschicke verzichten.

Fabio Lutz

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