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Jacqueline Jenny, selbstständige Unternehmerin in Projektmanagement und Marketing. (Foto/Video: FJ)

Sie entwickelt für das UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona «Schlafen unterm Sternenhimmel». Sie ist Kommunikationverantwortliche der Entwässerungskorporation Braunwald und im Verwaltungsrat der tb.glarus. Als selbstständige Unternehmerin und Familienfrau in der Rush-hour ihres Lebens nimmt sich Jacqueline Jenny Zeit, andere Frauen auf ihrem Weg zu begleiten.

Was müsste man ändern, damit Frauen in Verwaltungsräten und Führungspositionen präsenter sind? «Weniger in Stereotypen denken, sich selbst mehr zutrauen und häufiger Vorbild sein. Mir fehlten fassbare Vorbilder», sagt Jacqueline Jenny. «Richtige Vorbilder, nicht irgendwelche Fernsehleute, die sich eine Vollzeitbetreuung leisten, sondern Frauen, die Beruf, Kinder und Karriere zusammenbringen.» Jenny hilft Unternehmen, die soziale Vielfalt ihrer Mitarbeitenden zu fördern und konstruktiv für den Erfolg zu nutzen. «Derzeit habe ich mit Frauen zu tun, die ich coache, damit sie in der Arbeitswelt Anklang finden – gerade in Momenten, wo sie sich fragen: Bin ich hier am richtigen Ort? Dann schauen wir das zusammen an. Oft sind es Frauen, die jünger sind als ich. Ich war auch mal 25 und weiss, wie schwierig es sein kann, seinen Platz zu finden.»

Vielfalt belebt
Sich selbst sieht die Mutter eines zweijährigen Sohnes als Generalistin. Beruflich begann sie in Marketing und Tourismus, arbeitete auch als Immobilienbewirtschafterin, Bauherrenvertreterin und führte ein Babymode-Unternehmen. «Das widerspiegelt meine vielseitigen Interessen, ich bin wissbegierig, begeisterungsfähig und überzeugt, dass man viel schaffen kann», sagt sie. Wichtigste Aufgabe beim selbstständigen Projektmanagement ist oft das Management der Schnittstellen: «So, dass alle einbezogen sind. Denn es ist schwierig, wenn jemand sich übergangen fühlt.» Eine ihrer Aufgaben ist es, das UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona touristisch zu vermarkten, ohne den Schutz und Erhalt zu vernachlässigen. Dabei sind die Gegebenheiten in allen drei Destinationen verschieden – und es gibt Vertreter der geologischen und solche der touristischen Sicht. «Ich versuche immer am Puls zu bleiben, aber es ist ein riesiger Perimeter – jeder will etwas von diesem Welterbe.» Während GeoGuides ausgebildet werden, feuert Jenny die Destinationen an, etwas daraus zu machen – Angebote wie Schlafen unter dem Sternenhimmel mit Anleitung durch Geo- oder AstroGuides.

Selbstverantwortung
«Es gibt einen wichtigen Aspekt meiner Selbstständigkeit: ich muss schauen, dass es mir selbst gut geht. Wenn ich dann Akquise mache, strahle ich das aus. Ich gehe unter Leute, es entsteht etwas im Gespräch, ich rege dazu an, die richtigen Impulse zu holen. Es ist wichtig, dass wir Frauen klar sagen, was wir wollen und was wir können.» Gut zu sehen ist das am Engagement im Verwaltungsrat der tb.glarus. Obwohl da auch Leute mit 30 Jahren Erfahrung drinsitzen, begegnen sie Jenny auf Augenhöhe. «Wir ergänzen uns. Die tb.glarus suchten jemanden, der sich mit Marketing und Digitalisierung auskennt, denn bei der Öffnung der Strommärkte stellt sich für den Verwaltungsrat die Frage: Worauf wollen wir setzen? Diesen Mehrwert kann ich mit meiner Erfahrung miteinbringen.»

Chancen ergreifen
«Ich war immer jemand, der die Fahne hochhielt und sagte: ja, ich will. Aber mir wurden auch Türen geöffnet. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass in Verwaltungsräten verschiedene Leute vertreten sind.» So ist Jenny selbst das beste Vorbild: «Wenn Frauen mich im Verwaltungsrat sehen, stellen sie fest, dass das für eine Frau eine Option ist. Mich jedenfalls würde es freuen, wenn viele Betriebe ihre Verwaltungsräte öffnen. Mehr Öffnung, weniger Stereotypisieren.» Was es braucht, um diesen Mut zu bekommen: «Es einfach mal durchziehen, selbst wenn das schlaflose Nächte bereitet. Und es braucht auch mal einen Götti oder ein Gotti, der sagt: He, das musst du jetzt einfach mal ausprobieren.»

Natürlich sieht Jenny die Herausforderungen von Klimawandel, Corona oder die Abwanderung der Jungen in die Städte. «Als in der Stadt aufgewachsene junge Frau entschied ich mich, aufs Land zu ziehen. Aber ich wollte trotzdem am Puls der Arbeitswelt bleiben. Durch die zunehmende Digitalisierung wurde mir das ermöglicht – darauf kann auch der Kanton Glarus aufbauen. Ich empfand den Druck durch Corona, digitaler unterwegs zu sein, als sehr befreiend. Nach einer Sitzung konnte ich durch kurze oder keine Anfahrtswege meine Zeit optimieren. Die Vereinbarkeit von Job und Familie war dadurch für mich vereinfacht. Ich gehe heute immer noch nach Flims oder ins Heidiland, aber ich tue es bewusster. Ein Treffen soll etwas Spezielles sein, sonst geht es auch online.»

Job und Familie
Das Management der Familie hat sie mit ihrem Partner von Beginn weg so organisiert, «dass wir uns gegenseitig entlasten. Wir haben eine unkomplizierte Form gefunden. Mein Partner und ich sind selbstständig, das ist dabei ein Vorteil Ich bin in der Rush-hour meines Lebens und sage mir: Jetzt ist es so, wie es ist, es gibt immer einen Weg.» So wünscht sie sich: «Dass wir mehr Selbstverantwortung übernehmen. Man kann vieles in die Hand nehmen. Nicht warten, dass etwas vom Himmel fällt. Nein, die Verantwortung für sich übernehmen, für das nähere Umfeld. Es gehört auch eine gewisse Verletzlichkeit dazu, Mensch zu sein.» Und ihr Aufruf zum Abschluss: «Getraut euch auf die Bühne. Egal ob Frau oder Mann – geht hinaus mit dem, wovon ihr findet, dass es wichtig ist. Glaubt dran, dass euer Wort gehört wird und eine Wirkung hat.»

Fridolin Jakober/FB


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