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Michael Luchsinger, TB Glarus Süd: "Ein ZEV ist ein wichtiger Beitrag zur Energiestrategie 2050."

Solarpanels auf dem Dach sind ein wichtiger Beitrag, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Doch es gibt ein Problem: Der Strom wird oft zur falschen Zeit erzeugt. Wenn die Sonne scheint, gibt es viel, doch genau dann ist der Verbrauch im Haushalt meist gering. Der überschüssige Strom wird ins Netz eingespeist. Dafür gibt es zwar Geld, das ist jedoch weniger, als wenn man Strom vom Netz bezieht. Deswegen dauert es lange, bis eine Photovoltaikanlage amortisiert ist. Das lässt sich aber einfach ändern.

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)
Der Schlüssel dazu heisst: Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Mit dieser technischen und organisato­rischen Massnahme können mehrere Haushalte oder mehrere Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus den selbst produzierten Strom auch selber nutzen. So werden der Stromverbrauch erhöht, die Solarpanels schneller amortisiert und letztlich die Rendite der Anlage erhöht. Zudem wird der Strom günstiger, weil Netzgebühren und Abgaben auf selbst produziertem Strom wegfallen. Damit locken neben den ökologischen Beweggründen auch wirtschaftliche Argumente, auf diese nachhaltige Energienutzung zu setzen. Ein ZEV schont Umwelt und Portmonee.
Mit einem ZEV werden benachbarte Liegenschaften miteinander verbunden, es gibt darum nur noch einen einzigen Anschluss an das öffentliche Netz.

Die Solarpanels erzeugen Strom, den die angeschlossenen Haushalte oder Wohnungen direkt beziehen. Es gibt keinen Hoch- und keinen Niedertarif mehr. Über diesen einzigen Anschluss wird der nicht selbst genutzte, überschüssige Solarstrom ins Netz ein­gespeist, oder bei Bedarf wird zusätzlicher Strom bezogen. Die Bezüge der verschiedenen Nutzer werden unter- einander abgerechnet.

Bereits mehrere ZEV im Kanton Glarus
Ein ZEV ist seit 2018 möglich. Im Kanton Glarus haben die drei Tech­nischen Betriebe seither insgesamt 33 ZEV realisiert. In Glarus Süd sind es 6 Anlagen. «Diese haben eine installierte Gesamtleistung von rund 150 kWp. Das entspricht dem Be- darf von rund 37 Haushalten», erklärt Michael Luchsinger von den TB Glarus Süd. Jürg Zentner von TB Glarus ergänzt: «In unserem Versorgungsgebiet werden 5 ZEV betrieben mit einer installierten Leistung von rund 100 kWp.» Die TB Glarus betreiben selber 4 ZEV. «Glarus Nord hat 22 ZEV mit einer installierten Leistung von 440 kWp. Die meisten davon sind in Mollis und Näfels», erzählt Herbert Wanner, Vorsitzender der Geschäftsleitung Technische Betriebe Glarus Nord. Dort wurde die erste Anlage bereits vor knapp vier Jahren installiert. Damit ändert sich die bisherige Markt­situation grundlegend. Die Strombezüger sind nicht mehr ausschliesslich Konsumenten. «Sie sind Prosumenten», wie Herbert Wanner sagt, Produzenten und Konsumenten in einem.

Viele Vorteile
Und wie sind die Erfahrungen mit den ZEV? Michael Luchsinger: «Der Eigenverbrauchsanteil bei ZEV ist stark objektabhängig.» Je nach Grösse der Anlage und der Art des Verbrauchers – Wohnhaus, Mehr­familienhaus, Gewerbebetrieb oder Landwirtschaft – würden sehr unterschiedliche Werte erzielt. In jedem Fall überzeugen die Vorteile: Selbst produzierter Strom ist günstiger und die Liegenschaft gewinnt an Attrak­tivität und Wert. Einen ZEV können grundsätzlich alle Hausbesitzer machen. Voraussetzung ist, dass die beteiligten Grundstücke benachbart, maximal durch eine Strasse, ein Eisenbahntrassee oder ein Fliessgewässer getrennt sind. Die ge­setzliche Bestimmung tönt sperriger: «Ein ZEV ist nur zulässig, wenn die Produktionsleistung der Anlage oder der Anlagen mindestens 10 Prozent der Anschlussleistung des Zusammenschlusses beträgt.» Mit einem ZEV werden die technischen Betriebe sozusagen links stehen gelassen, weil sie weniger Strom verkaufen können. Trotzdem bieten alle drei Glarner Betriebe technische und administrative Unterstützung für die Realisierung eines ZEV. Warum? Torpedieren sie damit nicht ihr eigenes Geschäft? Luchsinger fasst es so zusammen: «Für uns Energieversorger ist die Umsetzung der Energiewende zentral. Dabei haben die Bedürfnisse der Kunden Priorität.» Und die lauten: Ökologisch produzierten und kostengünstigen Strom. 

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