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Faszination Downhill – mit Marcel Leupi. (Foto: Andoni Lopez / Andographie/Video: Fabio Oberholzer / Fabio-Film)

Manche Sportarten kennt man gut, manche kennt man weniger. Einige würde man gerne ausprobieren, andere lieber nicht. Der Fridolin nimmt einige ausgefallenere Sportarten unter die Lupe und stellt diese vor. Heute: Downhill.

.Mit dem Bike auf speziellen Pisten bergab – etwa auf der Weltcup-Downhill-Strecke von Lenzerheide. So lässt sich der junge Downhill-Bike-Sport zusammenfassen. Der FRIDOLIN traf Marcel Leupi, der in Näfels die LEUPI BIKE GmbH führt und selber in seiner Freizeit Downhill fährt. Wie er zum Downhill-Biken kam? Aus dem Mund von Marcel Leupi tönt es einfach. «Man muss Adrenalinjunkie sein und Freude am Speed, also an der Geschwindigkeit haben. Dann braucht es die Freude am Velofahren allgemein, so wächst man da rein. Zudem sollte man sich eine Piste aussuchen, welche man meistern will, und ein Velo haben, welches die Fahrt auf dieser Piste mitmacht. Mindestens ein Enduro-Bike, besser gleich ein Downhill-Bike.»

Professionelle Pisten
Die Sportart Downhill hat ihren Ursprung, wie viele andere, in den USA. Inzwischen werden auch in Europa und in der Schweiz Downhill-Rennen ausgetragen und es werden hier mittlerweile professionelle Strecken gebaut. Dabei werden dort die Sprünge und Kurven so ausgebaut, dass sie mit dem entsprechenden Speed befahren werden können. «Für mich ist es einerseits die Freude am Mountainbiken sowie die Risikobereitschaft, welche man eingehen muss», sagt Leupi. «Ich liebe den Speed, den Flow, und wenn eine Kurve perfekt aufgeht, so ist das eine Befriedigung. Man ist auf der Suche nach dem perfekten Flow-Gefühl, dass es einen Fluss gibt in der Fahrt.» Um es sich besser vorzustellen vergleicht Leupi das mit einer Ski-Abfahrt. Wie bei den Speed-Disziplinen auf Schnee gibt es beim Downhill jenen einen Moment, wo man eine Kurve ansetzen kann und den es nicht zu verpassen gilt. Was ähnlich zählt wie bei der Ski-Abfahrt sind weite Sprünge und hohe Geschwindigkeiten.

Der Lohn
Was es ihm bringt? «Am Ende des Tages ist das Downhill-Biken eine befriedigende Sache, man ist zufrieden, es stellt sich bei mir eine innere Ruhe ein. Viele von uns betreiben diesen Sport als Ausgleich zum Alltag.» Leupi braucht diesen Ausgleich, deshalb macht er Tagestouren zu jenen Pisten, die er liebt. Downhillpisten sind blau, rot oder schwarz – ähnlich wie im Skifahren. Schwarze Pisten bieten den Fahrern beispielsweise Doppelsprünge. «Da muss man mit einem Sprung über beide Hindernisse rüberkommen, sonst geht es nicht auf.» Will heissen: Das zweite Hindernis bringt sonst den Biker schmerzhaft zu Fall. Doch auch Leupi geht zuerst auf die blaue Piste, um sich warm zu machen. «Downhill ist eine anstrengende Sportart, körperlich und mental, die Hände brennen, wenn man unten ist. Man muss sportlich auf einem hohen Level sein, damit man keine zu grossen Risiken eingeht. So wie die Oberschenkel beim Skifahrer die Sprünge abdämpfen, nimmt die Federgabel die Kraft der Schläge auf.» Auch ist das Verhalten auf einer Downhill-Piste anders – sie ist für die Biker reserviert, aus Respekt wird mit Sicherheitsabstand gefahren.

Flowtrail ist nicht gleich Downhill
«Das Glarnerland selbst hat keine Downhill-Piste, wir haben aber seit neuestem auf dem Sackberg einen Flowtrail, was ein bisschen in diese Richtung geht, aber nichts mit einer Downhill-Piste zu tun hat. Aber in der Schweiz gibt es eine grosse Community. So warten etwa auf der Lenzerheide am Wochenende lange Schlangen auf die Abfahrten.» Zwar habe Rücksichtnahme hohe Priorität, auch wegen der unübersichtlichen Stellen, «aber es gibt kein Start-Stop-System. Bei Weltcuprennen gibt es ein Gate mit Törchen und einen Startplan, wo der nächste erst losfährt, wenn die Distanz gewährleistet ist.» Vom Glarnerland aus findet man Pisten in Lenzerheide, in Chur Brambrüesch, Arosa oder am Zugerberg. Auch in Österreich und in der Westschweiz sowie in Frankreich sind schöne Pisten relativ schnell zu erreichen. Downhiller tauschen sich aus, viele machen GoPro-Videos und es gibt feste Gruppen, wo man auch mal zusammen ein Bier trinkt und grillt, insbesondere bei Veranstaltungen.

Meisterschaften
«Wettkampfmässig gibt es in der Schweiz Meisterschaften in verschiedenen Kategorien.» Man startet einzeln. Auf einem abgesteckten Kurs einer bestimmten Breite gibt es Varianten, wie Kurven gefahren werden können und wo man Schwung mitnehmen kann. «Das Rennen lebt vom Schwung, den man mitnimmt, man ist selten am Pedalieren. Am Schluss ist es die Stoppuhr, die entscheidet.» Je höher das Level, desto weniger spektakulär sieht die Fahrt aus. Die besten haben alles unter Kontrolle. Zudem braucht es Technik und Ausdauer. «Man ist permanent am Stehen, die Kontrolle geschieht über die Oberschenkelmuskulatur und die Rumpfkraft, es ist ein wilder Sturm, bei dem man permanent schaut, dass man oben bleibt und immer alles ausgleicht. Da ist auch der Körperschwerpunkt immer eine wichtige Sache.»

Trailworks
Zwar hat das Glarnerland keinen Downhill-Trail, aber in Ennenda mit Trailworks Biketrails & Wanderwege GmbH ein Unternehmen, das Downhill-Pisten baut – sie sind auf der Lenzerheide bekannt geworden. Leupi ist überzeugt, dass das Interesse an Downhill – nach einem anfänglichen Hype vor ein paar Jahren – stabil bleibt. Für eine Massensportart wäre Downhill zu gefährlich. «Bei vielen Downhill-Pisten gibt es weitere Pisten, auf denen auch eine Familie runterfahren kann, aber für die grosse Masse ist ein Flowtrail wie in Glarus eine bessere Option.» Leupi selber weiss, wie wichtig eine gute Schutzausrüstung ist: «Full-Face-Helm, Rückenschutz, Knie- und Ellbogenprotektoren, lange Hosen mit Kevlar-Einsätzen über den Knien, die überall verstärkt sind sowie Langfinger-Handschuhe. Zudem gibt es auch spezielle Nackenschütze.»

FJ

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