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Architekt Volker Marterer kennt inzwischen jeden Stein der «Beuge». (Foto: FJ)

12 Wohnungen will die Genossenschaft Alterswohnungen Linth in den Beuge-Häusern in Näfels realisieren, dazu das Kaffee Märchy. Die Bankkredite von 3 Mio. Franken und das Genossenschaftskapital von 1,5 Mio. Franken lassen sich daraus verzinsen.

Doch der Bau kostet weit mehr: 9,5 Mio. Franken lautet der Kostenvoranschlag, durch Kanton und Stiftungen kamen bereits 3,4 Mio. Franken an Fördergeldern à fonds perdu zusammen, doch es fehlt noch eine Million. Die Age-Stiftung, die Stiftung PRO ARTE DOMUS, PRO PATRIA, die Ernst Göhner Stiftung, der Glarner Heimatschutz, die Stiftung Glarner Kantonalbank, das sind nur einige, die sich für diese historischen Häuser finanziell einsetzen. Denn mit den Beuge-Häusern beginnt, von Süden her, der historische Dorfkern von Näfels.

Am Montag, 31. Mai, lud Franz Landolt, VRP-Präsident der GAW Linth zusammen mit der glarnerSach zum Apéro in den Volg, Näfels. Dieser steht ja dort, wo einst das Gasthaus Schlüssel stand, direkt vis-à-vis der «Beuge». Anschliessend ging es mit Architekt Volker Marterer auf Erkundungstour in die Glarner Baugeschichte. Einst waren es zwei mit einer Mauer verbundene Wohntürme aus dem Jahr 1415, die innen in Bohlenständerbauweise ausgekleidet wurden. Ihre Mauern sind heute noch zu sehen und sie stehen auf einer ellipsenförmigen Sandbank, die von Kies umgeben ist. Über die Jahrhunderte wurde immer wieder an den Gebäuden weitergestrickt. Bis zu 20 Personen lebten später in den Zimmern im Südturm, die Stuben waren über Gänge verbunden, alle mussten über denselben Gang, um in Keller oder Küche zu kommen. Die Wände sind teilweise löchrig wie ein Käse, dort wo im Laufe der Jahrhunderte die verschiedenen Öfen ein- und wieder ausgebaut wurden. Teilweise sind die Sockelbalken angebrannt, dort wo ungeschützte Kaminrohre daran vorbeiliefen. Im ersten Stock findet man plötzlich einen Fussboden aus Linthböllen – etwas, was sonst eher aus dem Erdgeschoss von besseren Glarner Häusern bekannt ist. Dort steht eine Sandsteinsäule, da eine Fensterlaibung aus der Gotik und überall schlummert unter Putz und Gebälk so manches Bijou, was natürlich denkmalpflegerisch hervorgehoben wird. Dass das nicht ganz billig zu renovieren ist, dürfte allen klar sein. Dafür werden die 12 Wohnungen jede individuell und einmalig sein. Ein zentraler Lift wurde von der Denkmalpflege genehmigt, so können hier eben altersgerechte Wohnungen entstehen – mitten im Dorf, dort wo das Leben pulsiert. Am Apéro konnte die glarnerSach ihrerseits auf das neue Sachversicherungsplakat hinweisen, das derzeit am Gerüst für die Versicherung wirbt und ebenfalls etwas für den Bau abwirft. Es ist eine gute Werbung – immerhin hängt es an einem Haus, das seit 606 Jahren am selben Platz steht, ohne je ganz untergegangen zu sein. Ein Glück, dass es in den 1950er Jahren nicht totalrenoviert wurde, denn jetzt sind viele der Schätze noch da, welche es birgt.

FJ

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