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Chrigel Maurer alias «der Adler von Adelboden» in seinem Hoheitsgebiet. Zum Video: Fridolin+ App downloaden und Foto scannen. (Foto/Video: zvg)

Manche Sportarten kennt man gut, manche kennt man weniger. Einige würde man gerne ausprobieren, andere lieber nicht. Der Fridolin nimmt einige ausgefallenere Sportarten unter die Lupe und stellt diese vor. Heute: Gleitschirmfliegen. 

Im Glarnerland sieht man sie oft am Himmel herumschwirren: Die Gleitschirmpiloten. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es in Mollis Gleitschirm-Basen gibt. Dennoch scheint dieser Sport immer weiter um sich zu greifen. Fridolin konnte mit Chrigel Maurer sprechen, dem wohl bekanntesten Gleitschirmpiloten der Schweiz.

Gleitschirmfliegen kann heute fast jeder
Vor einiger Zeit war das Fliegen mit dem Gleitschirm eine sehr spezielle Sportart. Mittlerweile hat es sich beinahe zu einem Volkssport entwickelt. Das bestätigt auch Chrigel Maurer: «Die Erfahrungen der Flugschulen, das Material usw. erlauben es jedem, der das will, Gleitschirm zu fliegen. Für einen Tandemflug braucht es eigentlich nichts. Meine älteste Passagierin war 82 und hat den Flug sehr genossen.» Der gebürtige Adelbodner vergleicht es mit Autofahren. Man müsse für die Ausbildung Flugstunden in einer Flugschule nehmen und ein Ausbildungsprogramm mit abschliessender Theorie und Praxisprüfung absolvieren. «Das schöne am Gleitschirmfliegen ist, dass man es ruhig, aber auch extrem und wild betreiben kann. So findet jeder sein Ding.»

Faszination Freiheit und grosse Verantwortung
Doch warum will man Gleitschirmfliegen? Chrigel Maurer kam als Vierjähriger erstmals mit der Sportart in Kontakt. «Mich faszinierten schon immer die Vögel, und ich wollte immer so frei sein wie sie.» Er spricht von Abschalten und Geniessen, aber auch von den vielen Möglichkeiten, die sich beim Sport böten. «Wenn ich abhebe, beginnt mein Wunschzustand. Ich fühle mich frei, gepaart mit absoluter Verantwortung. Ich muss alles richtig machen, kurz anhalten geht nicht. Ein Pilot ist verantwortlich für seine Entscheidungen, die er trifft. Bei einfachen Bedingungen und Materialwahl ist es sehr sicher. Sobald die Erwartungen und der Ehrgeiz steigen, wird es heikler.» meint Maurer. Es sei perfid, da man nie richtig spüre, wie nah man am Limit fliege. «Sobald ich das Limit überschreite oder mich nur etwas verschätze, kann dies fatale Folgen haben.» Laut Maurer lernt man aber auch mit diesen Situationen umzugehen. Mittlerweile lebt der Berner vom Gleitschirmfliegen und konnte viele Erfolge an Wettbewerben feiern.

Schweiz ein regelrechtes Gleitschirm-Mekka – und Glarus?
Generell findet man in der Schweiz optimale Voraussetzungen, um Gleitschirm zu fliegen. Dank Bergbahnen und ÖV gelangt man während des ganzen Jahres zu guten Spots. «Die Schweiz ist für den Gleitschirmpilot vergleichbar mit Hawaii für den Surfer. Besonders optimal sind die Sommermonate, wo die Tage länger und die Aufwinde meist besser sind. So sind sogar 12-Stunden-Non-Stop-Flüge realisierbar. Da kann man Strecken bis zu 350 km zurücklegen.» Für optimale Verhältnisse brauche man laut Maurer Sonne und wenig Höhenwind, damit man mit der Thermik aufsteigen und über alle Berge fliegen kann. Winde mit mehr als 40 km/h, Nebel oder Bewölkung lassen keine Flüge zu. Im Glarnerland kennt sich Maurer weniger aus, flog aber auch schon von Braunwald oder der Planura-Hütte aus. Sein Highlight war der Flug vom Tödi – mit Passagier!

Gleitschirmfliegen im Wettkampf
Auch wettkampfmässig gibt es verschiedene Möglichkeiten. Swiss Cup, Weltcup oder Schweizer-, Europa- oder Weltmeisterschaften seien vergleichbar mit Segelregatten, wo man möglichst schnell eine Route «abfliegt». Weiter gibt es sogenannte «Hike & fly-Wettkämpfe». Dabei legt man eine vorgegebene Distanz zu Fuss und bei passendem Wetter per Schirm zurück. Dazu gehört beispielsweise das «Red Bull X-Alps», wo man 1138 km von Salzburg nach Monaco fliegt. «Bei «Hike & Fly»-Wettkämpfen geht es um mehr als nur das taktische Fliegen. Ich muss als Athlet viel mehr Entscheide treffen, um nicht nur schnell, sondern auch sicher ins Ziel zu kommen. Zudem geht der Wettkampf über eine längere Zeit, und man ist auch auf Wetterglück angewiesen.» Das Tolle bei diesen Abenteuerrennen sei jedoch, dass man Support habe und nicht alleine unterwegs sei.

Es gibt auch Akrobatik-Wettkämpfe, wo eine Jury, analog dem Turmspringen, die Flüge bewertet. Diese sind vor allem für kleinere, dynamischere Gleitschirme geeignet.

«Eine Disziplin, in der das Glarnerland sehr erfolgreich ist, ist der «XContest». Die Piloten wählen in einem Zeitfenster ihren Flugtag und die Strecke selbst. Die 4 besten Piloten eines Clubs werden addiert und zählen so zum Endresultat.» Beim «XContest» ist die Teilnahme kostenlos. Bei anderen Wettkämpfen wird man anhand von Leistungen oder von gewissen Kriterien selektioniert.

Pure Emotionen
Es gäbe viele Flüge, die dem Berner speziell in Erinnerung geblieben sind. «Viele Flüge sind an Emotionen oder schöne Erinnerungen geknüpft». Besonders hervorheben möchte er einen Flug von 2013, als er mit einem Passagier übers Matterhorn flog. «Das war speziell schön. Aber auch eine Reise zum Kilimanjaro mit einer Gruppe aus 11 Personen war einmalig. Diese 4000 Meter runter fliegen zu können war einzigartig.» Es ist also die pure Faszination des Fliegens. Und fast die der Freiheit eines Vogels.

Der Tandem-Rundflug mit einer 82-jährigen Frau findet man auf

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Fabio Lutz

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