Leserbriefe Gemeindeversammlung Glarus Süd

Landrat Jacques Marti plädiert in einer Partei-Mitteilung für die Beibehaltung aller bisherigen Schulstandorte und lehnt damit den Antrag des Gemeinderates Glarus Süd auf eine Reduktion ab. Marti erklärt dabei, «dass die Frage der Schulstandorte nicht in erster Linie eine Effizienz- oder Finanzfrage darstellt». Weiter erklärt er: «Mit dem Vorschlag des Gemeinderats wird jegliche Entwicklung ausserhalb des Grossraums Schwanden verhindert».

Die Entwicklung eines Dorfes hängt meines Erachtens nicht allein davon ab, dass dort eine Schule vorhanden ist. Förderung von Gewerbe, Industrie und Tourismus, Wohnungsbau, gute öffentliche Erschliessung,  Einkaufsmöglichkeiten, moderate Steuern sind ebenso bedeutende Faktoren für einen gedeihlichen Fortbestand unserer Dörfer. So bin ich erstaunt, dass z.B. grosse Kräfte eingesetzt werden gegen den Abbau von selbständigen Postfilialen, obwohl deren Dienste kaum mehr benutzt werden. Mitlödi zeigt, dass der Einbezug der Post in ein Ladengeschäft sich beidseitig als Vorteil erweist. In dieser Richtung müssten doch unsere Bestrebungen laufen! So verdient der Gemeinderat Lob für sein rasches Vorgehen zur Zonenanpassung bei der Spinnerei Linthal, wo Wohn- und Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden sollen. Kämpfen müssen wir auch für die bessere öffentliche Erschliessung von Glarus Süd – Buslinien Abbau, unnützer Bahnstopp in Schwanden und fehlende Umfahrungen im Unterland sind Beispiele, die bei uns eine positive Entwicklung behindern.

Der jetzt zur Abstimmung kommende Kampf für alle bisherigen Schulstandorte verhindert eine vernünftige, den schwindenden Schülerzahlen angepasste Lösung. Schulklassen, die nicht eine angemessene Mindestzahl von Kindern aufweisen, bieten keine Vorteile. Ich sehe nicht ein, weshalb die Oberstufe weiter aufgesplittet bleiben soll, während ein in Schwanden zusammengefasster Betrieb schulisch mehr Möglichkeiten bietet. Was den Gymnasiasten aus dem ganzen Kanton mit dem einzigen Schulort Glarus zugemutet wird, dürfte doch auch für unsere Oberstufenschüler vertretbar sein.

Gar nicht einverstanden bin ich aber, dass die Kosten für den ausgedehnten Schulbetrieb keine Rolle spielen sollen. Gemäss Memorial würde die vorgeschlagene Lösung eine Kosteneinsparung von 1,1 Mio. Franken erbringen, was 3 Steuerprozenten entspricht (Memorial S. 82). Sind die Befürworter für das Beibehalten aller jetzigen Schulstandorte auch bereit, zu beantragen, dass Glarus Süd die Gemeindesteuer um 3 Prozent erhöht allein für ihre Forderung? Es ist kaum anzunehmen, dass der Kanton und die anderen Gemeinden uns diese 1,1 Mio. Franken als zusätzlichen Finanzausgleich geben werden, vielmehr erwarten sie, dass wir vertretbare Einsparungen durchsetzen. Der Gemeinderat weist zudem im Memorial darauf hin, dass die jetzige Defizitrechnung und die bevorstehenden vielfältigen Aufgaben bereits schon eine Steuererhöhung fordern werden. Wie attraktiv werden unsere Dörfer, wenn wir Steuererhöhungen von 10 Prozent leisten müssen?

Ich fordere deshalb – im Gegensatz zu Landrat Jacques Marti – alle zukunftsorientierten Bürgerinnen und Bürger auf, für den Antrag des Gemeinderates zu stimmen.

Dr. Heinz Kindlimann, Schwanden