Leserbriefe Gemeindeversammlung Glarus Süd

Jetzt, wo die Gemeindeversammlung naht und wir einmal mehr über die Schliessung unserer Schulen abstimmen dürfen, werden von gewissen Kreisen die Vorteile grösserer, zentraler Schulen gegen die vermeintlichen Nachteile unserer übersichtlichen Dorf- und Bergschulen gegeneinander ausgespielt. Als Mutter von zwei primarschulpflichtigen Kindern konnte ich die Vorteile einer kleinen Bergschule aus eigener Erfahrung kennenlernen. Unsere Tochter besucht eine Schule mit Mehrklassensystem, die Lehrperson unterrichtet zur selben Zeit verschiedene Klassen im selben Schulzimmer. Der soziale Kontakt unter den Schülern ist dadurch grösser und die Kinder lernen, verschiedene Charakterausrichtungen zu akzeptieren. Dank den überschaubaren Klassengrössen kann sich der Lehrer Zeit nehmen für jedes einzelne Kind, erkennt potenzielles Mobbing rechtzeitig und kann dies unterbinden. Die Kinder lernen, sich gegenseitig zu unterstützen, statt nur in einem ungesunden Wettbewerb zu stehen. Die jüngeren profitieren von den älteren und umgekehrt – gerade auch für Einzelkinder ist dies eine einmalige, unbezahlbar wertvolle Erfahrung. Ein Kind, welches durch sein spezielles, charakter- oder umstandsbedingtes Verhalten oder einfach nur, weil es eine anspruchsvolle Phase in seinem Leben durchläuft, aus dem Rahmen fällt, kann von der Lehrperson dort abgeholt werden, wo es geradesteht. Es werden in den seltensten Fällen teure und oft zweifelhafte Stützmassnahmen ausserhalb des ordentlichen Schulbetriebes nötig. Die Schule, welche unsere Tochter besuchen darf, gibt es nur noch, weil wir uns vor vier Jahren gegen die «Sparmassnahmen» gewehrt haben. Sie bietet einen lange vor den Betreuungsvorgaben gegründeten familiären, liebevollen Mittagstisch, wo sich unser Kind wohl und aufgehoben fühlt. Dieser ist selbsttragend und erfährt nach wie vor weder Anerkennung noch Unterstützung durch die Gemeinde. In den Schulpausen und zwischen den Stunden nutzen die Kinder den naturnahen, überschaubaren Pausenplatz mit gemeinsamen Spielen, die das Resultat des in den Stunden gelernten respektvollen und unterstützenden Umgangs miteinander zeigen. Darum stimme ich am 24. November Nein zum Vorschlag des Gemeinderates und Ja zu «9+3» – Ja zur Zukunft unserer Schulen und unserer Gemeinde.

Miriam Aebli, Linthal