Ökonomie dominiert Architektur

 

IN DER AKTUELLEN FRIDOLIN AUSGABE

Nr. 38   Donnerstag, 17. September 2020

01 Jimmy Cliff

Glarnerland:

Authentisch erleben

 
02 Landrat 2019

Berufsschule Ziegelbrücke prämierte Vertiefungs- und Projekt-Arbeiten:

Talentschmiede

 
03 Roger Rychen

Schlussschwinget in der Bleiche in Glarus:

Erster Festsieg für Schiesser

 


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Rund 40 Besucherinnen und Besucher interessierten sich für den Informationsabend von «Mitlödi Kultur Aktiv» zum Thema «verdichtetes Bauen nach innen».

Der Informationsabend am Donnerstag, 6. Februar, in der Turnhalle in Mitlödi war eine Experten-Diskussion rund um Architektur, Schutz des Lebensraums und der Lebensqualität: Doch die 40 Besucher vermochten die grosszügig geplanten Sitzgelegenheiten nicht zu füllen – das Interesse war tiefer als erwartet.

Der Informationsabend am Donnerstag, 6. Februar, in der Turnhalle in Mitlödi war eine Experten-Diskussion rund um Architektur, Schutz des Lebensraums und der Lebensqualität: Doch die 40 Besucher vermochten die grosszügig geplanten Sitzgelegenheiten nicht zu füllen – das Interesse war tiefer als erwartet.

Ernüchternde Erkenntnisse
Eine Erkenntnis des Abends brachte Fridolin Luchsinger mit der Zu­sammenfassung seiner mehrjährigen Erfahrungen als Gemeinderat und Departementsleiter von Glarus Süd auf den Punkt: «Zuerst kommt der ­Bedarf, dann die Kosten – und wenn wir Glück haben, interessiert sich am Ende jemand für eine ansprechende Architektur.» Fritz Waldvogel sagte, er freue sich zwar über den sorg­fältigen Umgang mit beschränkt vorhandenem Boden, bemerkte aber mit Blick auf die leeren alten Ställe, dass «landwirtschaftliche Gebäude und eine kleinräumige Kulturlandschaft langfristig nur erhaltenswert sind, wenn sie betrieblich sinnvoll genutzt werden können». Die Landwirtschaft präge die Kulturlandschaft, müsse aber auch verschiedenste Ansprüche wie eine effiziente Lebensmittelproduktion oder Tierschutzvorschriften erfüllen und dafür effiziente Bauten und Arbeitsabläufe zur Verfügung ­haben.

Hohe Verdichtung realistisch?
Hansruedi Marti vom Architektur­forum Glarus erkennt in den Dorf­kernen heute schon hohe Verdichtung und sieht etwa in Glarus Süd eher «an den Rändern» schwierige Stellen, während Fridolin Luchsinger einen Widerspruch zwischen einer attrak­tiven Bewohnbarkeit von Dorfkern-Liegenschaften und ihrer Verkäuflichkeit sieht, etwa wenn man sie mit einer «Randparzelle» vergleicht.

«Mut zur Ruine»
Maja Widmer von der Kantonalen Denkmalpflege erklärte die Veränderungen von Arbeits- und Material­kosten der letzten Jahrzehnte und ihre Auswirkungen. Diese lösten sichtbare Baustilveränderungen etwa bei Alpgebäuden aus. Während Arbeit früher wenig und Material viel kostete und zu dicken Alpstall-Steinmauern führte, seien geringe Transport- und Materialkosten heute der Grund für vorgefertigte, eingeflogene Holzelementbauten auf Alpen oder bei SAC-Hütten. Und bei der hohen Zahl inventarisierter Ställe sei nicht alles schützenswert. Diese dürften durchaus «verschwinden», und man dürfe auch «Mut zur Ruine» zeigen, wenn ein Gebäude sich ökonomisch nicht mehr lohne.

Wann lohnen sich Bau und Unterhalt der Infrastruktur?
Bei der Frage, ob sich zum Beispiel für 280 Braunwalder eine kostspielige Infrastruktur rechne, herrschte einen ­Moment Stille.
Zuvor hatte Gesprächsleiter Heinrich Speich provokativ festgestellt, dass eine Modernisierung alter Ferien­häuser zur Überdehnung der finanzierbaren Infrastruktur führe. Im Falle Braunwalds würden zwei Drittel der Gebäude als Zweitwohnsitze verwendet, nur ein Drittel sei ständig bewohnt. Fridolin Luchsinger bemerkte, dass die Zweitwohnungs-Initiative wirksam sei und Glarus Süd von ­solchen Baugesuchen bisher nicht «überrannt» werde.
Lando Rossmaier vom Glarner Heimatschutz verlangte einerseits, dass Bauämter von den Bauherren eine ­architektonische Begründung ihrer Pläne einfordern, er sieht anderseits keinen Widerspruch zwischen Bau­kosten und guter Architektur. Es müsse das Ziel eines Architekten sein, dank seiner Planung sinnvolle Ge­staltungen zu einem günstigeren Preis zu ermöglichen. Ausserdem seien «Häuser auch nur Menschen». In ­einer Kernzone stünden diese meist in einer Beziehung zu ihrer Umgebung, kehrten ihr je nach Gestaltung ihr ­Gesicht oder den Rücken zu.

Industriebrachen als Chance
Hansruedi Marti sieht in den «rahmensprengenden» Industriebauten der Textilindustrie vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten, die man nutzen solle. Und seiner Meinung nach würden die Gewässerräume zu dogmatisch ausgelegt.
In der Schlussrunde waren die auf­fälligsten Zusammenfassungen, dass Bevölkerung und Behörden zu den noch vorhandenen «Schätzen» Sorge tragen und unser «Paradies» schätzen lernen sollen.
Damit wurden die Besucherinnen und Besucher auf ihren nächtlichen Heimweg entlassen. Durch Grüngürtel, Industriebrachen, grosse und kleine Ställe, potenzielle Gewässerschutzräume und hinein in geschützte Dorfkern-Liegenschaften oder schwerer schützbare, ausfransende Randzonen.
wie

 

 

 

 

 

 

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