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Mit der Verpflichtung von Historiker und Journalist Markus Somm ist Präsident Martin Laupper ein Wurf gelungen. Am Samstagabend, 15. September, begeisterte der Chefredaktor der «Basler Zeitung» im Freulerpalast auch jene Skeptiker, die einzig von Amtes wegen in den ehrwürdigen Rittersaal gekommen waren.

Mut zur Verpflichtung
Der gebildete, durch seine Bescheidenheit geprägte fünffache Familienvater Somm machte gleich klar, dass er über sich selbst lachen kann, und nahm Journalisten wie Chefredaktoren aufs Korn. Erste Lacher erntete Somm, als er Martin Laupper zu seinem Mut beglückwünschte, ihn überhaupt verpflichtet zu haben. Der blitzgescheite Feingeist weiss, dass er zuweilen zum Jünger Blochers (die «BAZ» gehörte diesem früher) deklassiert wird. Schon möglich, dass sich deswegen einige Amts- und Würdenträger schriftlich für die Nichtteilnahme entschuldigten. Nun – sie haben etwas verpasst: Markus Somm begeisterte mit seinem profunden Hintergrundwissen genauso wie mit seiner angenehmen Rhetorik. Den Bezug vom Ancien Régime zur Gegenwart vermittelte er verständlich und ohne dabei sein persönliches politisches Gedankengut einzubringen. Wie wohltuend, in einer Zeit, wo sich Politiker im nationalen Wahlkampf in den Medien breitschlagen lassen. Viel mehr ist man geneigt, Markus Somms Bücher über General Guisan und Marignano zu lesen, um das Wissen über den Kanton Glarus zu vertiefen. Denn Markus Somm weiss mit Sicherheit sehr viel über die Geschichte von Glarus und General von Bachmann, so auch, weshalb sich Bachmann einst in die Dienste der Burgunder stellte und wie erfolgreich dieser die Eidgenossen, namentlich Glarus (die Bezeichnung Kanton gab es damals noch nicht), vertrat. Denn Bachmann war nicht nur General, er war auch wirtschaftlich ein kluger Stratege und wusste die Beziehung zu Frankreich gewinnbringend zu nutzen. So kam er in einer Zeit, als die Schweiz noch keine Rheinsalinen besass, zu Salz für die Käse- und Zigergewinnung.

Wechsel zur Gegenwart
So interessant Somms freie und lebendige Ausführungen zum fürstlich-adeligen Régime, so spannend waren seine Ausführungen zur Gegenwart. Zwar habe die Eidgenossenschaft den Adel vertrieben und die Obrigkeitshörigkeit halte sich in Grenzen, analysierte Somm. Dennoch gebe es unter der Bevölkerung eine Elite, die sich zu Höherem berufen fühle. Er benannte Städte wie Bern und Solothurn (die Ambassadoren-stadt), die von Familien aus der «von»-Zeit angeführt werden. Diese hätten noch Einfluss auf die Bevölkerung wie im Ancien Régime. Man spreche eine eigene Sprache, verheirate sich untereinander und bediene sich mit Informationen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Parallelen zog Somm zur Verwaltung, die Parlamentariern kiloschwere Dossiers zum Studium vorlege, wohl wissend, dass vielen die Zeit und das Verständnis für die Inhalte fehle. Weiter falle ihm auf, dass sich die Bevölkerung der damaligen Elite angleicht: im Äusseren, im Vokabular und im Verhalten. Markus Somm gratulierte zur Glarner Landsgemeinde, bekundete jedoch wenig Verständnis für die Gemeindefusion, das beschneide die Demokratie der einzelnen Orte. Der Weg zur Zentralisierung habe noch nie zum Erfolg geführt. Zim