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Ein voller Saal, eine nachhaltig beeindruckende Lesung mit Klavierbegleitung und die mystisch-klangvolle Performance von jungen Saxofonkünstlern gab es am Samstag, 1. September, im Hotel Tierfehd in Linthal zum Auftakt der Musikwoche Braunwald.

Schweigers Textspiele
Der in Wien geborene und seit 1965 in Zürich lebende Peter Schweiger, ein hoch dotierter Interpret (Hans Reinhard Ring) und seine musikalische Begleiterin, die Pianistin Petra Ronner, zogen die zahlreich erschienenen Gäste gleich zu Beginn in den Bann. Sie liessen den Dramatiker, Lyriker und Vortragskünstler Karl Kraus (1874–1936) aufleben. Dieser verbrachte zusammen mit seiner Liebschaft «Sidonie» einige Zeit im Tierfehd – am Ende der Welt. Einige Passagen stammen aus seinem Buch «Die letzten Tage der Menschheit», was zuweilen packend und schaurig-dramatisch anmutete. So wie das Leben in dieser Zeit zwischen den Weltkriegen eben war. Erleuchtend auch die Zitate aus der Wiener Zeitung «Fackel» aus dem letzten Jahrhundert, sich treffend in die Gegenwart einfügend. So gab es zuweilen Parallelen zwischen einst und heute, welche die Zuhörer zum Nachdenken und Schmunzeln brachte. Insbesondere der Schlagabtausch in Form von Leserbriefen vor mehr als 150 Jahren zeigte, dass sich in der Printmedienwelt kaum etwas verändert hat.

Mystische Perfomance
Rätselhaft gab sich vorab die Performance des bildenden Künstlers Emmanuel Michaud. Er gestaltete aus einer Vielzahl weisser Kuben ein «Labyrinth» mit einer Leichtigkeit, die überraschte und begeisterte. Im und um das Labyrinth spielten junge, in Schleier gewandete Saxofonisten und eine Saxofonistin, auf erstaunlichem Niveau. Das Zusammenspiel der Klänge, der Formen und des «fliegenden Umbaus» liessen einen für kurze Zeit in eine zauberhafte Traumwelt entschwinden. Das klangstarke Toni Sax Quartet wie auch Emmanuel Michaud haben mit Sicherheit eine grosse künstlerische Zukunft vor sich. zim