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Sie sind engagiert, vielseitig interessiert und omnipräsent. Was treibt Sie an?

Also omnipräsent bin ich nicht mehr. Doch dass man etwas für die Allgemeinheit macht, das sind wir uns von Haus aus gewöhnt – dass man sich engagiert, sei es in Vereinen, in der Politik oder sonstwo. Ich organisiere gerne und stelle etwas auf die Beine, an dem die Leute Freude haben – damit sie etwas entdecken können. Denn die Leute sollen die unentdeckten Schätze sehen, die wir in Glarus Nord haben; die will ich ihnen präsentieren.

 

Ihre Meinungen und Anliegen finden Gehör. Wie schaffen Sie das?
Ob sie Gehör finden?

Ich weiss nicht. Ich sage meine Meinung, manchmal auch etwas zu direkt. Das ist meine Überzeugung; ich bin es gewohnt, zu sagen, was ich denke. Aber ich bin im Laufe des Lebens diplomatischer geworden. Ob die Leute mich akzeptieren, das ist ihre Sache. Aber ich werde wahrgenommen von den Leuten – sie sagen: «Ä ja, natürli, ds Gret Menzi.» Sie wissen, dass ich meine Sachen gemacht habe, dass ich mich engagiert habe und ihnen etwas bringe und auch etwas für sie organisiere, das wissen die Leute. Auch das Open-Air-Kino ist eine Erfolgsgeschichte, das machen wir mit der Familie. Ich stelle Dinge auf die Beine, von denen ich das Gefühl habe, dass die Leute profitieren, dass man ihnen etwas mitgibt – sei es ein schöner Abend im Kulturforum oder ein Kinoabend.

 

Welches Ihrer vielschichtigen Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Vielleicht eine gewisse Portion Selbstvertrauen. Ja, es braucht Selbstvertrauen. Das lernt man mit der Zeit. Ich bin seit über 30 Jahren in der Politik aktiv und auch in anderen Bereichen, das lehrt einen. Sonst kann man nicht vor die Leute treten und reden. Wenn man Versammlungen, ein Parlament oder die Schulgemeinde leiten will, braucht es Selbstvertrauen. Und gute Vorbereitung, sonst ist man bald untendurch, wenn man ein «Schwimmfest» hat, etwa als Präsidentin des Parlaments. Klar bin ich manchmal spontan und sage auch mal einfach, was mir gerade in den Sinn kommt. Vielleicht sogar im falschen Moment das Falsche, aber das lässt sich nicht mehr zurücknehmen – gseit isch gseit – und oft gibt sich das dann auch wieder.

 

Sie haben in der Politik vieles bewegt und gestaltet. Gibt es noch Pendenzen?

Nein. In der Politik habe ich keine Pendenzen mehr, die habe ich erledigt. Dort habe ich keine mehr. Aber sonst? Auch sonst nichts. Man macht, was man kann. Sonst tun es die andern. Ich war letztes Jahr ein paar Monate weg, weil ich nicht «gäng» war, wie man so sagt, also nicht «zwäg». Dann läuft es nicht – oh, ja, als Dorfkommissionspräsidentin habe ich noch zu tun ...

 

Wenn Sie Gemeindepräsidentin von Glarus Nord wären, würden
Sie ...?

Das ist ganz schwierig. Dieses Amt ist kein einfaches. Wäre ich zehn Jahre jünger, hätte ich für den Gemeinderat kandidiert, aber als Gemeindepräsidentin nicht. Denn das Problem dort ist: Man kann nicht auf alle Leute hören. Aber den Bürger ernst nehmen, das müsste man. Etwas mehr auf die Leute in den Dörfern hören – und nüd z’raass verwalten. Sondern etwas auf die Dörfer hören, nicht auf alle Leserbriefschreiber, das nicht. Man kann nicht alles erledigen, was sich die Bürger wünschen, aber man kann auf sie hören. Worüber ich mir schon Gedanken machen würde, wenn ich Gemeindepräsidentin wäre, das ist die Beteiligung der Bevölkerung am politischen Leben – da machte ich mir grosse Gedanken. Wir haben zwar auch viele Zugezogene, die hier nur schlafen. Gut, es gibt auch Zugezogene, die sich – zum Beispiel in den Vereinen – engagieren, aber das sind vereinzelte, aber die meisten Zugezogenen engagieren sich nicht. Bei der Landratswahl lag die Beteiligung 10 Prozent unter jener von Glarus Süd, da würde ich mir Gedanken machen.

 

Sind Sie eine typische Glarnerin?

Ja. Aber was ist eine typische Glarnerin? Mein Vater war aus Matt, die Mutter aus Filzbach, ich bin hier in Mühlehorn aufgewachsen – das ist etwas anderes, als wenn man in Glarus aufwächst. Wir hatten viele Kontakte ins St. Galler Oberland, auch politisch. Vielleicht bin ich eben doch nicht so typisch. Nein, nein, ich bin schon eine Glarnerin, aber wir haben noch Kontakte über die Kantonsgrenze hinaus.

 

Wenn nicht in Mühlehorn, wo würden Sie gerne wohnen und warum?

Ich sage immer: Engadin, oder mindestens einen See muss es haben. Also mindestens den See müsste ich haben – in Filzbach sieht man den auch zu wenig. Also Mühlehorn, Obstalden oder das Engadin. Oder einfach weiter oben am Walensee, also in Murg oder Quarten – in Quinten eher nicht, so gerne fahre ich nicht mit dem Schiff. Aber wenn man an so einem Ort wohnt wie ich (sie zeigt aus dem Küchenfenster auf das Walenseepanorama), dann kommt einem diese Frage nicht sofort in den Sinn.

 

Wie begeistern Sie auswärtige Freunde und Bekannte für das Glarnerland?

Phh. Zuerst muss man ihnen ja erklären, wo das Glarnerland ist. Wenn ich Mühlehorn sage, muss ich noch sagen: am Walensee – und höre dann: Gehört das noch zum Kanton Glarus? Dann sage ich jeweils: Das ist dort, wo die Zürcher und Bündner vorbeifahren, und dass das Glarnerland vielseitig ist – ja sogar unheimlich vielseitig. Als ich im Französischkurs im Welschen war, sagte mir einer von dort: ja, im Glarnerland, da waren wir morgens Ski gefahren auf dem Clariden, tagsüber am Wandern und abends noch am Schwimmen im Walensee.» Bei uns ist alles beieinander, man ist schnell in den Bergen, schnell am See, schnell beim Einkaufen, wir haben gute Dörfer und gute Einkaufsmöglichkeiten – wenn man nicht gerade ins Ausland geht, wie das so manche tun. (Sie lacht ironisch.) Solchen Leuten sage ich: Wenn die AHV aus dem Ausland kommt, da kann man ja ins Ausland einkaufen gehen – bei solchen Leuten lüpft es mir grade den Deckel. Aber zum Glück ist der Einkaufstourismus nicht mehr so wie vor zwei Jahren, der grosse Boom ist – glaube ich – vorbei.

 

Welchen Rat erteilen Sie den nachfolgenden Generationen bezüglich Wohnen, Leben und Arbeiten in Glarus Nord?

Einen Rat – ich denke, das muss man ihnen nicht geben. Oder doch: Wir müssen zu dem, was wir haben, Sorge tragen, sodass wir nicht zu stark überborden. Es ist wichtig, neuen Wohnraum zu schaffen – ja, aber welchen Wohnraum? Wohnraum für alle, auch für junge Familien. Wir müssen zur Natur und zu unserer Landschaft Sorge tragen – aber das sagt wohl jeder; dennoch muss man zur Gegend und zum Kulturgut Sorge tragen und auch etwas das Gespür haben dafür – und nicht ausschliesslich auf den Profit zielen.

FJ