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Das Podium so kurz vor den Wahlen war zwar mässig besucht, jedoch professionell moderiert. Hannes Hochuli verstand es mit seiner Beharrlichkeit ausgezeichnet, den sechs Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Zu kurz kamen ganz klar die spezifischen Gewerbler-Themen, was die Entscheidung mit Sicherheit nicht einfacher macht.

Persönlich Positionierung
Erstaunlich war, wie sich die sechs total unterschiedlichen Persönlichkeiten, unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit, positionierten. Das Bild beweist es – alle sehen sich in der Mitte – und eher rechts. Dies könnte von aussen so interpretiert werden, dass es keine Rolle spielt, welchen der Kandidaten man wählt. Reine Selbstwahrnehmung zwar, und somit sicherlich ohne Gewähr. Im Dialog mit dem Moderator zeichnete sich jedoch deutlich ab, wer ein Querdenker, wer ein Visionär und wer ein Mitläufer ist.
Vom Nutzungsplan und wie man diesen vor dem Volk durchgebracht hätte, haben alle eine Ahnung. Auch davon, wie man das angeblich verlorene Vertrauen zu den Mitbürgerinnen und Mitbürgern wiedergewinnt. Überhaupt war es befremdend, dass die Herren, zwar ohne den Namen zu nennen, immer wieder auf den bisherigen Amtsinhaber zu sprechen kamen. Sie alle wollen es anders, nach ihrer Ansicht besser machen. Es folgten Rechtfertigungen und detaillierte Erklärungen seitens der bisherigen Gemeinderäte, Insiderwissen machte sich breit. Es schien, als wollten sie aus dem Schatten des «Sonnenkönigs» heraustreten und diesen mit letzten Seitenhieben in die Pension verabschieden.

Wenig Herzblut, kaum Visionen
Möglicherweise hat der langanhaltende Wahlkampf dem einen oder anderen Kandidaten zugesetzt. Möglicherweise wurden sie auch vom Achtsamkeits-Coach Hochuli im Voraus dazu angehalten, keine Emotionen zu zeigen. Auch wenn es für die Zuhörer angenehmer ist, wenn Ruhe im Saal herrscht, fehlte der Wahlkampfspirit in weiten Teilen. Oder sie wollten nichts Falsches ­sagen und es allen recht machen. Das wäre so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich vom Präsidenten einer aufstrebenden Grossgemeinde wünscht. Ohne Mut, Kommunikationstalent und Durchsetzungsvermögen sind Ziele nur schwer zu erreichen – vorausgesetzt man hat welche. Mit einer defensiven Haltung oder zu viel Rücksichtnahme gibt man den Besserwissern und -könnern an Gemeindeversammlungen eine Plattform für verbale Angriffe.

Ein Traumjob?
Die Beweggründe zur Kandidatur mögen unterschiedlich sein. Für die einen ist es die Krönung der politischen Karriere – ein Traumjob –, für die anderen einfach ein neuer Job – und für mindestens einen von ihnen echte Leidenschaft. Das Podium bot wenig Gelegenheit für das Publikum, dies zu hinterfragen. Spontane Fragen und Antworten wären mit Sicherheit aufschlussreich gewesen.
Noch ist das Rennen offen, viele «Gwerbler» in Glarus Nord haben noch nicht gewählt.
Glaubwürdigkeit dürfte am 4. März das Zünglein an der Waage sein. zim