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Pascal Müller aus Oberurnen gewinnt an den Schweizermeisterschaften der Junioren im Skispringen in Einsiedeln unerwartet die Bronzemedaille.

«Damit habe ich wirklich nicht gerechnet», sagt Pascal Müller mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Den Grund für seinen Exploit liege im mentalen Bereich: «Nachdem ich mich entschied, künftig auf die Nordische Kombination zu setzen, war ich im Kopf frei, und sprang dadurch befreit.» Sogar eine Verletzung am Fuss, die er sich wenige Tage vor dem Wettkampf zugezogen hat, konnte er gut wegstecken. Mit dem dritten Rang überflügelte er einige seiner Konkurrenten, denen er in dieser Saison hinterhersprang. Bis zur SM lief es Müller nicht gut. Einerseits kam er nach dem Absprung nicht richtig über die Skier, zudem sind seine körperlichen Voraussetzungen nicht optimal. Mit einer Körpergrösse von 1.68 Meter und einem Gewicht von 59 Kilo ist er fünf Kilogramm zu schwer für einen Skispringer. «Ohne gesundheitliche Risiken einzugehen ist es mit meiner Konstitution nicht möglich, das optimale Gewicht zu erreichen», stellt Müller fest.

Traum der Nordischen Kombination

Die fehlenden Erfolgserlebnisse hinterliessen beim zweimaligen Glarner Nachwuchssportler des Jahres grosse Spuren. Er gesteht: «Ich hatte den Spass etwas verloren, da die Resultate enttäuschend und für mich nicht zufrieden stellend waren.» Müller ging deshalb über die Bücher und entschied vor drei Wochen, auf die Karte Nordische Kombination zu setzen. So kann er dem Langlauf wieder mehr Gewicht geben. Der Entscheid fiel dem Oberurner aber nicht leicht, da die Unterstützung und Infrastruktur in der Schweiz für diese Sportart alles andere als optimal sind. Doch die Freude an dieser Sportart überwog, und so kehrt der Oberurner zu seiner alten Liebe, seinem grossen Traum, der Nordischen Kombination zurück. Das Sprungtraining absolviert er weiterhin im Nationalen Leistungszentrum in Einsiedeln mit Martin Künzle. Für das Langlauf-, Rollski- und Lauftraining, muss er selber schauen. Mit Sven Arnold konnte er einen eigenen, privaten Trainer engagieren, den er selber mit Sponsorengeldern, und aus eigener Tasche finanzieren muss. An dieser Stelle, möchte Pascal seinen Sponsoren, die an ihn glauben, und mit ihm diese so faszinierende Sportart unterstützen, ein sportliches «Dangge viilmal» aussprechen. Dass bei Swiss Ski die Kombination kein grosses Thema ist, liegt daran, dass die Schweiz mit Tim Hug, dem 16. der Weltcupsaison, nur einen Kombinierer hat und neben Müller der Nachwuchs völlig fehlt.

Heim-WM in Kandersteg

Weiter sagt Müller, dass das Training für die Nordische Kombination aufwändiger sei als für das Skispringen: «Es sind zwei Sportarten, die sich gegenseitig völlig unterschiedlich sind. Fürs Springen braucht man Schnellkraft, für Langlauf Ausdauer. Der Wettkampf selber besteht zum einen aus Skispringen, wo man sich die Grundlage für ein gutes Rennen legen kann. Am gleichen Tag folgt dann im Winter der Langlauf, im Sommer ist es Rollski oder ein Crosslauf. Genau diese Herausforderung fasziniert mich und macht mir grossen Spass.» Wie es im Detail weitergeht, welche Wettkämpfe Müller bestreitet und ob er sich fürs Langlaufen noch einem Club anschliesst, ist noch in der Planung. Doch eines sagt er bestimmt: «Ich spüre, ich bin wieder frei im Kopf, und voll Energie und Tatendrang, die Freude ist sehr gross, mein Entschluss richtig.» Eine erste Standortbestimmung wird der Oberurner Anfang Dezember beim Alpencup in Seefeld erhalten. Weitere Wettkämpfe im In- und Ausland in diesem Wettbewerb finden bis Ende März statt. Das grosse Ziel dieser Saison ist aber die Heim–WM in Kandersteg bei den Junioren Ende Januar. Falls sich Müller für die WM qualifiziert, wird er mit Jahrgang 2001 zu den jüngsten Teilnehmern zählen und sich in den beiden Wettkämpfen, einmal über die fünf und einmal über zehn Kilometer, mit bis zu drei Jahren älteren Konkurrenten aus der ganzen Welt messen können. eing