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Am vergangenen Freitag verlieh der Regierungsrat dem Schriftsteller Perikles Monioudis den mit 20000 Franken dotierten Glarner Kulturpreis für seine Verdienste um das kulturelle Leben des Kantons. Ruth Schweikert hielt die Laudatio.

Wer Perikles Monioudis kennt, und in seiner Generation kennen ihn die meis­ten Glarner, sieht den bescheidenen, aber selbstbewussten Autor, den Schreiber, der seine ersten Cowboy­geschichten mit zehn Jahren in Hefte schrieb, der während der Kantizeit schon erste Texte veröffentlichte und der inzwischen eine süsse Familie um sich schart. Er und seine Ehefrau Dana Grigorcea, ebenfalls Schriftstellerin, haben eine Tochter und einen Sohn. 19 Werke hat er inzwischen veröffentlicht, 26 Preise und Werkbeiträge wurden ihm im Laufe seiner bisherigen Schriftstellerkarriere zugesprochen – darunter der Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Und doch – wenn man der Dankesrede von Perry glauben darf, und das darf man – freut ihn wohl kaum etwas mehr als diese offizielle Anerkennung aus seinem Heimatkanton, «die mir so lieb und wertvoll ist».

Laudatio und Dank
Schon immer hat Monioudis sich Dinge ausgedacht und sie zu Papier gebracht. Sein beruflicher Werdegang begann damit, «so zu tun, als ob ich schon ein Schriftsteller wäre. Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse. Heute weiss ich es.» Zwei seiner Weggefährten, Ruth Schweikert (Erdnüsse. Totschlagen) und Peter Weber (Der Wettermacher), waren am Freitag mit dabei – Schweikert zeigte sich in ihrer Laudatio als eine profunde Kennerin von Monioudis Werk. Sie beschrieb ihn als Kosmopoliten, als Weltgereisten und verwies gar mit einem Augenzwinkern auf den wohl berühmtesten griechischen Helden, auf Odysseus, wenn sie Perikles als «erfindungsreich» betitelt.

Kunst aus Distanz
Dass im Wort Erfindung auch das Finden steckt, beweist Monioudis mit seinen Werken, die er immer wieder in seinen Heimaten ansiedelt, im Fussball, im Mediterranen, aber vor allem im Glarnerland. Ob im Roman «Eis», in «Die Forstarbeiter. Die Lichtung», in «Annas Carnifex» oder im Kriminalroman «Freulers Rückkehr», Monioudis entwickelt aus dem Glarnerland – so Schweikert – «Schauplätze von Plastizität». Es dauere nur eine Generation, «bis aus dem Flüchtling ein Flaneur wird», beiden gemeinsam ist das, was sie beim schreibenden Monioudis ausmacht: «Die Distanz zur eigenen Umgebung.» Mit ihm hat ein produk­tiver und vielseitiger Schriftsteller eine verdiente Ehrung bekommen, doch wie so mancher andere Wortkünstler seiner Generation steht er vor der Frage, die wohl jeden dezidiert kunstreich Schreibenden umtreibt: «Wo sind heute die Adressaten für das, was ich schreibe?» Vielleicht wieder mal in der Bibliothek oder der Buchhandlung statt auf Instagram, denn wie sagte schon Gotthold Ephraim Lessing: «Wir wollen weniger erhoben und häufiger gelesen sein.» FJ