Allgemeine Leserbriefe

«Wutbürger», «Protestwähler» und «Schmutzkampagne», waren so einige Argumente, mit denen unsere Politiker und Parteien die eigenen Fehleinschätzungen der letzten Wochen dem Stimmbürger in die Schuhe schieben wollten. Parteien setzen auf umstrittene Kandidaten oder Sachgeschäfte und fallen aus allen Wolken, wenn ihnen die Bürger (wohl zu Recht) die Stimme verweigern. Offensichtlich haben unsere Parteien erhebliche Rekrutierungsprobleme und erlauben sich vielfach, einen einzigen Kandidaten als «Auswahl» vorzusetzen. Da haben wohl viele Stimmbürger gestaunt, als ein einfacher Leserbrief einen derartigen Sturm auslöste und der überraschte «Sprengkandidat» ohne ein einziges Inserat oder Flugblatt die Hälfte der Stimmen des altgedienten Bewerbers abholte. Da sollten sich die Gewählten ihre Handlungsweise schon mal ernsthaft überdenken.

Für das Kandidatenproblem bei Gemeindepräsidenten gäbe es eine bewährte Lösung: Ändern Sie das entsprechende Wahlgesetz, wie es im Kanton St. Gallen besteht. Dort kann sich jeder ausserkantonale Bürger für ein Präsidentenamt privat bewerben. So bekommen wir eine grössere Auswahl von fähigen Kandidaten. Die wären dann nicht aus dem Glarner Filz und somit weniger vorbelastet.Parlamentarier nehmen für sich in Anspruch, das «Volk» zu vertreten. Der Absturz der Einkaufsmeile Glarus zeigt leider nur zu überdeutlich, dass Politik und Verwaltung keine Ahnung haben, woher viele Probleme kommen und wie sie zu lösen wären. Da helfen auch überteuerte Beratungsinstitute, ein paar Informationsabende oder gesteuerte Workshops nicht weiter.

Aber auch die sensationshungrige Presse hilft munter mit, Fake-Meinungen zu verbreiten. Da schrieb kürzlich ein Redaktor: «Glarner wollen anders gestaltete Hauptstrasse!» Dabei stützt er sich offenbar lediglich auf die Meinung von ein paar Ladenbesitzern. Ich glaube, viele Stadtglarner haben die Schnauze voll, noch länger zu experimentieren? Sie wollen, dass die Parkplatzmisere im Zentrum endlich angegangen wird.

Und wer hat bisher (und mit welchem Recht), erfolgreich verhindert, dass Landi, Aldi und Lidl in Glarus Fuss fassen können? Diese Geschäfte will das Volk für die Grundversorgung garantiert. Das muss ich nicht beweisen. Jedermann kann das sehen, wenn er diese Läden im Unterland besucht. Während in Glarus viele Geschäfte effektiv verhungern, überlaufen die Parkplätze in Näfels und in Schänis mit Autos aus unseren Gemeinden. Wer hat die IKEA in Schänis verhindert? Das «Volk» wurde jedenfalls nicht gefragt. Unser Glarnerland serbelt, weil zu viele private Geschäftsinteressen die Entwicklung des Kantons behindern. Sie als Stimmberechtigte tun gut daran, nicht jeden Käse zu glauben, welcher Ihnen von Verwaltung und Politik vorgesetzt wird. Bleiben Sie kritisch und eigenständig. Gehen Sie an die Landsgemeinde und an Abstimmungen. Fehlentwicklungen werden keinesfalls mit Stimmboykott behoben.

Franz Diethelm, Glarus